Auf Juniorenstufe gehören die Servettiens schon seit Längerem zum Besten, was das Land zu bieten hat. In der jüngeren Vergangenheit scheiterte man jedoch oftmals am Übergang zwischen Nachwuchs- und Aktivbereich.
Dies soll sich künftig ändern. Der Klub will vermehrt auf selbst ausgebildete Kräfte setzen. Egal ob Sportchef Williams oder Trainer Gourvennec - diese Haltung wird medial schon fast als Mantra heruntergebetet. Der SFC steckt mitten in einem Umbruch. Gérard Bonneau, bis vor Kurzem noch Teil von Servettes Führungsetage, erklärte letzten Dezember die Pläne gegenüber den Medien (wir berichteten). Wie steht es heute um den Richtungswechsel?
Gourvennec hat keine Berührungsängste
Man kann seine Meinung zum Übungsleiter des Fanionteams haben. Sei dies in taktischer Hinsicht oder im Bereich der Motivation seiner Spieler. Was man dem Franzosen aber nicht vorwerfen kann, ist die Nähe zu den Nachwuchsmannschaften. Immer wieder taucht Gourvennec an Partien der U21 oder anderen Juniorenauswahlen auf. So verschafft er sich regelmässig selbst ein Bild von der Entwicklung der jungen Servettiens. Zuletzt besuchte der 54-jährige sogar den Servette-Nachwuchs bei einem Turnier in der Bretagne (wir berichteten). Der direkte Austausch ist vorhanden, der Samen gesät.
Wann können die Früchte geerntet werden?
Bereits in der Hinrunde zögerte Jocelyn Gourvennec nicht, den unerfahrenen Malek Ishuayed für das Auswärtsspiel in Luzern aufzubieten. Noch weniger zögerte er, als er den damals 18-jährigen nach einer Viertelstunde für den verletzten Alexis Antunes aufs Feld schickte. Damit erhielt der Debütant Vortritt gegenüber gestandenen Super-League-Akteuren wie Giotto Morandi. Ishuayed dankte seinem Trainer für das Vertrauen und lieferte prompt eine Torvorlage.
Seit besagter Partie in der Swissporarena gehört Ishuayed zum Kader der 1. Mannschaft. Insgesamt 13-mal sollte der offensive Mittelfeldspieler im Meisterschaftsbetrieb zum Zug kommen. Der anfängliche Hype um das Nachwuchstalent hat sich mittlerweile ein bisschen gelegt. Ishuayed zeigt gute Ansätze, verliert aber noch zu viele Bälle. Auch physisch hat er gegen robuste Gegenspieler (noch) das Nachsehen.
Quasi im Schatten von Ishuayed machte eine andere Zukunftshoffnung einen grossen Schritt in Richtung Fussballgeschäft. Die Rede ist von Thomas Lopes. Schon im Oktober letzten Jahres sass der Franzose zum ersten Mal auf der Ersatzbank. Gourvennec liess seinen Landsmann lange zappeln. Erst im Januar, im Heimspiel gegen den FC Zürich, liess der Coach seinen Flügelläufer von der Leine. Dieser adaptierte sich schnell an die Super League. Der "Grenzgänger" steigerte sich konstant und legte ein grandioses Saisonfinale hin. Fünf Skorerpunkte aus den letzten sechs Spielen waren eine Ansage im Hinblick auf die neue Saison. Begünstigt durch seine Schnelligkeit kann sich der trickreiche Rechtsaussen durchaus Chancen ausrechnen, in der neuen Spielzeit einen Stammplatz zu erhalten. Es wäre der logische nächste Schritt für den 19-jährigen.
Nachreifen oder ausmisten?
Gérard Bonneau erklärte, dass nicht jeder Spieler auf Anhieb den Sprung in die Super League packen wird. Besonders physisch unterscheidet sich der Herrenfussball stark von den verschiedenen Nachwuchsligen. Leihgeschäfte sollen Talenten helfen, zur nötigen Spielpraxis zu gelangen. Bestes Beispiel ist Stürmer Jamie Atangana. Als Torschützenkönig der U19 Elite League 2024/2025 waren die Augen voll auf ihn gerichtet, als ihn Thomas Häberli in die 1. Mannschaft hochzog. In der Super League wurden Atangana dann schnell seine Grenzen aufgezeigt. In 9 Pflichtspielen gelang ihm nur ein Tor - und auch das wurde "nur" vom Penaltypunkt aus erzielt. Für den 18-jährigen ist der Zug beim SFC noch nicht abgefahren. Gerüchten zufolge soll er ein Kandidat für eine Ausleihe in die Challenge League sein. Der FC Stade-Lausanne-Ouchy und Etoile Carouge sollen interessiert sein.
Den umgekehrten Weg machen in diesem Sommer verschiedenste Akteure, welche das abgelaufene Fussballjahr bei anderen Klubs verbracht haben. Hier wird die Vorbereitungsphase wegweisend sein, wie es mit Namen wie Sidiki Camara, Tiemoko Ouattara oder Jarell Simo weitergeht. Die drei sind nur ein Teil der Leihrückkehrer, deren Zukunftschancen es diesen Sommer korrekt zu bewerten gilt. Einige der zurückkehrenden Spieler dürften nochmals verliehen werden. Bei anderen könnte auch ein Wechsel anstehen. Keyan Varela soll beispielsweise bereits seinen Abgang angekündigt haben (wir berichteten).
Die Entwicklung in der UBS Youth Trophy
Mit der Youth Trophy prämiert die SFL jedes Jahr den Verein, der die meisten U21-Spieler eingesetzt hat. Je nach Anzahl gespielter Minuten fällt die Prämierung höher aus. So kann ein Klub zusätzlich CHF 150'000.- zu den sonstigen Fördergeldern hinzuverdienen. Das Geld wird von der UBS gestiftet.
In der Saison 2025/2026 am meisten Einsatzzeit hatten junge Spieler beim FC Zürich. Rund 7'411 Minuten liess der FCZ seine Nachwuchstalente laufen. Das entspricht 19,7% der gesamtmöglichen Spielzeit. Der Servette FC liegt mit 1'446 Minuten nur auf dem 9. Rang der Liga.
Erstaunlicherweise liegt man mit diesem Wert unter demjenigen aus dem Vorjahr. Damals waren es 2'249 Minuten, welche von U21-Akteuren absolviert worden sind. Dabei fragt man sich, wie dies mit all den unterjährig beworbenen Massnahmen passieren konnte. Warum schneidet man schlechter ab? Die Erklärung ist simpel: Unter der Ägide von Thomas Häberli gehörte Théo Magnin zu den Kräften, auf welche der Coach gerne zurückgriff. Die Polyvalenz des Eigengewächses hatte es Häberli angetan und brachte Magnin immer wieder Einsatzzeit. 1'537 Minuten waren es insgesamt. Damit gingen 68,3% der Spielminuten alleine auf das Konto des "Wuschelkopfs". Seit letztem Sommer fiel Magnin, der mittlerweile zum Red Star FC nach Paris weitergezogen ist, altersbedingt aus dem Raster und zählte nicht mehr zu den "U21-Minuten". Seine designierten Nachfolger, Loun Srdanovic und Téo Allix, verpassten entweder den Grossteil der Saison verletzungsbedingt oder gehören mit 22 Jahren ebenfalls nicht mehr zur "Kategorie U21". Nichtsdestotrotz, war die Einsatzzeit der jungen Spieler zuletzt gleichmässiger verteilt.
Lernen aus Fehlern der Vergangenheit
Zeki Amdouni (Burnley FC /ENG), Winsley Boteli (FC Sion), Felix Emmanuel Tsimba (GC/BSC Young Boys), Johan Manzambi (SC Freiburg) oder Becir Omeragic (FC Basel 1893) - die Liste ist ellenlang. Diese Namen verliessen den SFC ohne einen einzigen Pflichtspieleinsatz bei den Profis. Zu wenig wurden den jungen Spielern Perspektiven aufgezeigt. Zu spät versuchte man sie mit Verträgen an den Verein zu binden. Genau hier zogen die Servette-Verantwortlichen die Schrauben an.
Kaum liefen Allix, Lopes, Miguel & co. im Fanionteam auf, setzten sie ihre Unterschriften unter neue Verträge beim 17-fachen Schweizermeister. Aber auch bei den Nachwuchsmannschaften werden Hoffnungsträger schon früh abgeholt. Erst kürzlich unterzeichneten die drei U17-Spieler Aaron Ikomi, Gregorijan Mihajlovski und Matthew Wood ihren ersten Profivertrag. Sie werden nicht alle in die 1. Mannschaft beordert, kennen aber dennoch den Weg, der für sie vorgesehen ist. Besonders gespannt darf man auf Mihajlovski sein. Der Innenverteidiger wurde im Januar 17 Jahre alt und lief letzte Saison in der U17, U19 und der U21 der Grenats auf. Nirgendwo hat er einen schlechten Eindruck hinterlassen. Darf er bereits diesen Sommer Jocelyn Gourvennec in der Vorbereitungsphase von sich überzeugen?
Die momentan einzig unglückliche Vertragssituation zeigt sich bei Loun Srdanovic. Der Rechtsverteidiger ist noch bis 2027 in Genf unter Vertrag. Danach könnte er ablösefrei wechseln. Die letzten beiden Spielzeiten, in welchen man bereits mit ihm geplant hätte, verfolgte er von der Tribüne aus. Auf dem Rasen stand er dennoch selten. Zu oft fehlte das Abwehrtalent verletzungsbedingt. Die zahlreichen Blessuren lassen nun auch Überlegungen aufkommen, den umworbenen 19-jährigen in den nächsten Wochen ziehen zu lassen. Nach einer dritten Saison im Lazarett dürfte sich sonst wohl kein Verein mehr mit Srdanovic beschäftigen wollen. Denn die Frage ist berechtigt: Hält sein Körper die Belastungen des Profisports überhaupt aus?
In den nächsten Tagen wird der Servette FC den Trainingsbetrieb aufnehmen. Mit gespannten Blicken werden wir verfolgen, wie das Nachwuchsthema vom Staff behandelt wird.
Fotos: R.B.

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