Léman-Derby wird zum Planungsfiasko
Mehr Frust als Lust vor dem Léman-Derby
Zum ersten Mal in dieser Saison treffen der FC Lausanne-Sport und der Servette FC aufeinander. Das Léman-Derby birgt Brisanz - auf und abseits des Platzes.
Anlässlich der letzten Aufeinandertreffen dieser beiden Mannschaften kam es immer wieder zu Scharmützeln. Besonders die Partien im Stade de la Tuilière sorgten immer wieder für mediales Echo. Zuletzt kam es zu einem schwerwiegenden Kabelbrand, der das westschweizer Zugnetz auf den Kopf stellte. Aber auch sonst gibt es immer wieder unschöne Nebengeräusche, die oftmals durch die schlechte Organisation vor Ort befeuert werden (wir berichteten).
Posse um den Gästesektor
Im Waadtland fürchtete man sich davor, dass auch das Spiel am Sonntag von Chaoten missbraucht werden könnte. Entsprechend gross war die Sorge vor neuen Ausschreitungen. Um möglichst keine Genfer in der Stadt zu haben, forderte man in Lausanne eine gestaffelte Anreise aller Gästefans in Reisebussen. Sollte dies nicht befolgt werden, sähe man von einer Öffnung des Gästesektors ab.
Gegen diese Drohung protestierte letzte Woche die Section Grenat, aber auch der Servette FC selbst. Von Seiten der Ultras hiess es, dass man kein Problem mit den Reisebussen hätte. Es dürfe aber nicht sein, dass der Heimverein ein Transportmittel vorschreibe und als Druckmittel missbrauche. Als Organisator trage der FC Lausanne-Sport die Verantwortung, wie in Lausanne mit den Gästefans umgegangen werde - nicht schon vorher. Als man das Stadion in der Peripherie errichtet habe, musste man ein Sicherheitskonzept ausarbeiten, das entsprechend zum Tragen kommen sollte.
Der Servette FC zeigte sich diplomatischer und verwies darauf, dass man bereits einen Extrazug bei der SBB bestellt habe. Ein Umdisponieren auf Busse sei so kurzfristig nicht mehr möglich. Die Section Grenat rief schlussendlich alle SFC-Fans auf, gemeinsam im Extrazug ans nördliche Seeufer zu reisen. In der Not würde man während der gesamten Spieldauer vor dem geschlossenen Gästesektor stehen.
Lausanne knickt ein
Schnell bekam auch die Swiss Football League Wind von den Diskussionen zwischen den beiden Rivalen. Die SFL übte Druck auf den Heimklub aus und verlangte, dass der Auswärtsbereich ohne Auflagen geöffnet werden müsse. Daraufhin lenkten die LS-Verantwortlichen ein. Der Extrazug dürfe verkehren. Die Servette-Fans würden anschliessend durch die Stadt bis zum Stadion eskortiert.
In Genf nahm man diese Nachricht wohlwollend zur Kenntnis. Gleichzeitig verwies man darauf, dass der geplante Fanmarsch in der Vergangenheit immer wieder für Probleme sorgte. Trotz mehrmaligem Insistieren führe der Weg direkt hinter der Heimkurve durch. Eine Route wie ein Pulverfass - auch wenn man als gemässigter Fan kein Verständnis für Gewaltexzesse an Fussballspielen hat.
Am Donnerstagabend konnte schliesslich eine einvernehmliche Lösung gefunden werden. Der FC Lausanne-Sport organisiert Shuttlebusse, welche die Fans vom Bahnhof direkt zum Eingang des Gästesektors transportieren. Die Kosten der Busse werden zu je 50% von der SFL sowie vom Servette FC getragen. Die entschärft das Eskalationspotential deutlich. LS behält sich aber das Recht vor, ausschliesslich Personen in den Auswärtsblock zu lassen, welche mit den Bussen zum Stadion transportiert wurden. Individuelle Anreisen seien nicht gestattet. Das trifft auch uns Maroons.
Ticketvorverkauf des Heimpublikums wird beeinflusst
Auch die Fans des Heimteams werden das Chaos rund um die Planung dieses Rivalenduells zu spüren bekommen. Der Vorverkauf wurde zeitweise gestoppt. Wahrscheinlich sollte vermieden werden, dass sich die Servette-Fans mit Tickets in Heimsektoren eindecken. Mittlerweile konnte der Verkauf wieder aufgenommen werden. Allerdings stark eingeschränkt. Per Mail hat der Verein personalisierte Zugangscodes an seine "treusten Fans" verschickt. Es dürfte sich dabei um Saisonkartenbesitzer, Newsletterabonnenten, Sponsoren! etc. handeln. Pro Code können vier Tickets für das Spiel vom Sonntag erworben werden. Wer keinen Code hat, bleibt draussen.
Wir sind gespannt darauf, ob es noch eine weitere Wendung geben wird. Am Ende des Tages hoffen wir jedoch alle auf ein friedliches Fussballfest und drei Punkte für unsere Grenats. "Le lac c'est à nous!"