Das Léman-Derby vom vergangenen Sonntag hatte alles, was ein hitziges Duell unter Rivalen braucht. Fesselnde Atmosphäre auf den Rängen, zwei Platzverweise, sechs Tore und einen Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit. Leider überschatten Szenen abseits des Spielfelds die Leistung der beiden Mannschaften.
Wie so oft kam es in Lausanne zu Situationen, die kein Fussballfreund sehen will. Wie so oft schaukelte sich die Stimmung im Verlauf des Nachmittags hoch. Wie so oft wurde nicht aus Fehlern gelernt. Wie so oft verliert am Ende der Fussball und die friedlichen Matchbesucher.
Spannungen auf dem Fanmarsch
In Lausanne ist es seit einigen Jahren zur "Tradition" geworden, dass man sich als Gästefan auf einen zirka vier Kilometer langen Fanmarsch einstellen muss. Nachdem es mehrmals zu Sachbeschädigungen in den Extrabussen gekommen war, reagieten die lokalen Busunternehmen. Sie weigern sich den Shuttletransport der Gästefans zu übernehmen. Dabei ist es ihnen egal, ob Servette, Luzern oder die Fans der Young Boys anreisen. Da aufgrund fehlender Bahnanbindung kein Extrazug beim Stadion halten kann, bleibt bloss der Umzug durch die Innenstadt. Eine unglückliche Situation für alle Beteiligten, insbesondere aber auch für die Einwohner der zweitgrössten Stadt der Romandie. Durch die Fanmärsche ist das Stadtzentrum an Spieltagen verkehrstechnisch stark eingeschränkt. Kommt es dann zu "Schmierereien" oder sonstigen Sachbeschädigungen, verdoppelt sich der Frust bei den Anwohnern.
Auch am Sonntag zog ein grösserer "Mob" aus Genf in Richtung Stade de la Tuilière. Der Fanmarsch soll "geordnet" von Statten gegangen sein. Kurz vor dem Stadion spitzte sich die Situation jedoch zu. Dies, weil der Fanmarsch stoppte. Während an der Spitze des Zuges die Ultras ihre Schlachtrufe anstimmten, versuchte die Polizei von hinten den Tross wieder in Bewegung zu bringen. Unter Einsatz von Schlden rückten die Einsatzkräfte vor. Wie die Tribune de Genève bereits am Sonntag berichtete, waren jedoch keine Unruhestifter, sondern besonnene Fans am Ende der Gruppe die Leidtragenden. Sie kassierrten Schubser und Schläge, bis sich die ganze Gruppe wieder nach vorne bewegte. Weit kam der Mob jedoch nicht. Direkt hinter der Heimkurve bauschte sich die Situation weiter auf. Von beiden Seiten flogen Gegenstände. Lausannes Ultras hatten dabei den Vorteil, dass sie auf einer Erhöhung gleich hinter der Tribüne standen. Genau dieses Szenario hat man in der Vergangenheit schon mehrmals erlebt. In quasi jedem Léman-Derby stellt dieser Ort ein Nadelör dar. Es soll keine Entschuldigung sein, dass sich gewisse Personen nicht im Griff haben, aber gibt es wirklich keine Möglichkeit, um dieser Situation aus dem Weg zu gehen? Getreu dem Motto: "Viele Wege führen nach Rom", müssten doch auch mehrere Wege in den Gästesektor des Stade de la Tuilière führen? Alternativ müsste man sich in Lausanne Gedanken machen, ob man temporäre, bauliche Massnahmen treffen könnte, oder den Bereich kurzzeitig zu räumen, bis der gegnerische Fanmarsch vorbeigezogen ist. An dieser Stelle sei nochmals erwähnt, dass das Verhalten einzelner Chaoten nicht gutzuheissen ist. Man muss sich aber die Realität vor Augen halten, dass ein reibungsloses Vorbeiziehen, ohne andere Massnahmen an dieser Stelle, nicht funktioniert. Untenstehend eine vereinfachte Visualisierung, wo der Fanmarsch auf der Route de Châtelard entlang geht. Blau eingekreist ist die Heimkurve des FC Lausanne-Sport.
Schall und Rauch während des Spiels
Als die beiden Mannschaften den Kunstrasen betraten, erhöhte sich der Lärmpegel im Rund. Beide Fankurven zeigten tolle Choreografien und versuchten so, ihren Farben einen letzten "Kick" zu geben. Die ganze Partie hindurch wrde immer wieder reichlich Pyrotechnik und Rauchtöpfe gezündet. Ein ewiges Thema, das wohl so alt ist, wie die Ultrakultur. Ein Thema, zu dem es verschiedene Meinungen gibt, die ein ganzes Mittagessen lang mit Arbeitskollegen im Restaurant ausdiskutiert werden kann. Es bedarf aber gesundem Menschenverstand, dass Pyrofackeln nicht als Wurfgeschosse dienen dürfen. Da gibt es keine zwei Meinungen.
Im Rahmen des Spiels kam es auch im Stadioninnern zu einem Eklat. Mitarbeiter der Stadionsecurity sprühten wahllos Personen in den ersten Reihen mit Pfefferspray ein. Die Stimmung wurde gehässig und es flog auch eine Rauchpetarde in Richtung Sicherheitsdienst. Auf YouTube wurde ein Video der Situation hochgeladen. Der Szene soll ein Streit mit einem Fotografen vorausgegangen sein, der vor dem Gästesektor platziert gewesen war.
Trauriger Tiefpunkt mit grossen Auswirkungen
Nach Abpfiff ging es zurück an den Bahnhof Lausanne. Dort wurden die Servette-Anhänger in den Extrazug verfrachtet. Kurz nach der Abfahrt soll es zu einer weiteren, brenzligen Situation gekommen sein. Noch laufen die Ermittlungen, doch es scheint als erwiesen, dass eine brennende Pyrofackel aus dem Zug geworfen wurde. Diese traf glüpcklicherweise keine Personen, landete aber in unmittelbarer Nähe diverser betriebsrelevanter Kabel. Diese fingen Feuer und wurden zerstört. Bitter, denn die Kabel sind normalerweise unterirdisch verlegt. Wegen Bauarbeiten wurden sie an die Oberfläche geholt und lagen exponiert im Gleisbett. Dies berichtet SRF. Durch den Kabelbrand waren diverse Signale und Weichen nicht mehr kontrollierbar. Dies führte zu einem grossen Unterbruch im Schienenverkehr zwischen Lausanne und Renens. Über Nach mussten dreissig Extrabusse organisiert werden, um die ÖV-Anbindungen im Pendlerverkehr zu gewährleisten. Rund 90'000 Personen sollen die Strecke täglich befahren. Voraussichtlich dürfte die SBB erst im Verlauf des heutigen Tages zum Normalbetrieb zurückkehren. Damit scheint der "Tagesdümmste" vom Sonntag gewählt worden zu sein. Hoffen wir, dass er gefunden und rechtlich belangt werden kann. Was für eine Sch****-Aktion - auch wenn sie (hoffentlich) nicht vorsätzlich geschah.
Welche Auswirkungen hat die Aktion auf den Servette FC?
Noch hielten sich die Behörden bedeckt. Man wird den Abschluss der Ermittlungen abwarten, um ein finales Urteil zu fällen. In Fankreisen wird gemunkelt, dass die SBB dem SFC bis auf Weiteres keine Sonderzüge mehr zur Verfügung stellen könnte. Auch andere Kollektivstrafen, wie beispielsweise in Geisterspiel, sind im Bereich des Möglichen. Momentan gilt es abzuwarten, mit welchen Konsequenzen der Servette FC konfrontiert wird.
Was sagen die Verantwortlichen innerhalb des Klubs?
Am Montagnachmittag wurde eine offizielle Stellungnahme veröffentlicht. Darin wird erwähnt, dass man Kenntnis vom Vorfall habe. Man wurde auch darüber informiert, dass vermutlich Pyrotechnik den Brand ausgelöst habe. Die Tat wird als "inakzeptabel" bzeichnet und lasse sich nicht mit den Werten des Vereins vereinbaren. Nebst der Störung im waadtländer Schienennetz, verurteilt man, dass Fahrgäste und Bahnpersonal in Gefahr gebracht worden sind. Gemäss internen Abklärungen soll es sich um eine nicht koordinierte Aktion gehandelt haben. Man werde alles dafür tun, um den Fall mit den Behörden und der SBB aufzuklären. Der Täter oder die Täterin soll identifiziert und juristisch belangt werden.
Auch wir Maroons distanzieren uns von den Ereignissen, die rund um das Léman-Derby geschehen sind. Wir stehen für fairen Support und unterstützen den Servette FC im Einklang mit unseren Werten.

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