Im Juli wagten wir eine Reise um den Globus und blickten auf unkonventionelle Karrierestationen von Spielern mit Servette-Vergangenheit (zum Bericht). Mittlerweile könnte der Beitrag um einen Abschnitt erweitert werden. Denn eine frühere Nachwuchshoffnung des SFC hat ihren Lebensmittelpunkt auf die arabische Halbinsel verlegt.
Vor zehn Jahren schnürte Matheus Vieira seine Schuhe für die U18 des Servette FC. Mit ihm in der Mannschaft standen auch Kastriot Imeri oder Baba Souaré, welche später für das Fanionteam der Grenats aufliefen. Der gebürtige Brasilianer kam zwar regelmässig zum Einsatz, für den nächsten Schritt reichte es allerdings nie. Aus der Juniorenabteilung des 17-fachen Schweizermeisters ging es in die Niederungen des genfer Amateurfussballs. Vieira kickte beim Signal FC Bernex-Confignon, den FC Perly-Certoux oder den CS Chênois. Selbst 2019, als er in die Promotion League zum FC Stade Nyonnais wechselte, deutete nichts auf eine Profikarriere des Angreifers hin. Die dritthöchste Spielklasse der Schweiz schien, auch nach einem Wechsel zu Etoile Carouge, hierzulande das höchste der Gefühle zu sein.
Es dürfte Loris Mettler gewesen sein, der 2023 den Kontakt zum Raufoss IL hergestellt hat. Mettler, einst Teamkollege von Vieira im SFC-Nachwuchs, schloss sich im Frühjahr dem norwegischen Zweitligisten an. Über seinen speziellen Werdegang berichteten wir im Juni letzten Jahres (zum Bericht). Im Gegensatz zu Mettler suchte der Neuankömmling in Skandinavien vergebens nach seinem Glück. Nur ein halbes Jahr später sass Vieira bereits wieder in der Kabine des Etoile Carouge FC. Im Stade de la Fontenette feierte er schon im darauffolgenden Sommer den Aufstieg in die Challenge League. Als Stammkraft startete er in die Saison 2024/2025. Während die Hinrunde durchaus positiv verlief, plagte sich der Linksaussen im Frühjahr mit Verletzungen herum. Trainer Adrian Ursea musterte den Offensivkünstler aus. Dies führte dann auch zu einer ausgebliebenen Verlängerung des Vertrags. So stand Vieira im Sommer ohne Klub da.
Über seine Berater traf dann eine unerwartete Offerte aus dem mittleren Osten ein. Es kam zu Verhandlungen und schliesslich zu einer Vertragsunterschrift in Kuwait! Vieira tauschte die Reben und Kuhweiden der ländlichen Regionen des Kantons Genf gegen einen Platz in der Wüste. Beim Al-Jazeera FC will der 27-jährige nun sein Glück finden. Ein Einjahresvertrag mit Option auf eine zusätzliche Saison sollen ein guter Einstieg sein. In Kuwait hat Vieira sein Debüt bereits hinter sich. Am vorletzten Wochenende traf er im Achtelfinale des "Crown Prince Cups" gegen den Al-Salmiya SC. Es war sein zweiter Treffer für seine neuen Farben. Fussballerisch wird das neue Abenteuer nicht die grösste Herausforderung sein. Auch wird Vieira hierzulande nie auf dem Titelbild einer Zeitung auftauchen. Dennoch gibt es im Wüstenstaat gutes Geld zu verdienen - und als Erfahrung lohnt sich der Karriereschritt allemal.
Foto: instagram.com/mathedosacra

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