Karlsson will wieder aufblühen
Ein Schwede als Hoffnungsträger
"J'espère" ist die französische Form von "ich hoffe". "Jesper" ist schwedisch und, zumindest im Servette-Kontext, mit "Hoffnungsträger" zu übersetzen. Der Schwede trägt seit diesem September die Farben des Servette FC. Er ist hier, um seiner Karriere wieder etwas Schwung zu verleihen.
Wer die ersten Schritte des Flügelspielers auf den hiesigen Terrains gesehen hat, der sah, mit welchem Gefühl Karlsson das Kunstleder behandelt. Sein Spiel zeugt von technisch feiner Klinge. Allerdings fehlt es noch an der Durchschlagskraft. Es ist aber auch nur so zu erklären, wieso der Mann aus Falkenberg in der Super League gelandet ist. Im besten Fussballeralter von 28 Jahren wagt er den berühmten Schritt zurück. Traurig ist er nicht darüber.
"Ich habe 75 Minuten vor der Schliessung des Transferfensters beim Servette FC unterschrieben. Alle haben gut miteinander gearbeitet, damit das Leihgeschäft zu Stande kam - zum Glück!", lacht Karlsson, als sich ein Reporter der Tribune de Genève mit ihm trifft. In Italien, wo er beim FC Bologna 1909 unter Vertrag stand, hätte er keine Zukunft gehabt. Domenico Tedesco, der den Serie-A-Vertreter zu Saisonbeginn noch gecoacht hatte, liess Karlsson aussen vor. Auch in der Saisonvorbereitung verschwand der Schwede zwischen Stuhl und Bank. Das zeigt sich momentan auch in der Fitness und beim fehlenden Spielrhythmus. Karlsson ist noch nicht bei 100%, arbeitet aber hart daran, wieder dort hinzukommen.
Dass Bologna nicht die beste Wahl für den Verlauf seiner Karriere war, musste Karlsson schon relativ früh feststellen. Im Sommer 2023 unterschieb er in der Emilia-Romagna. Rund 10,5 Millionen Franken legen die "Rossoblù" für den Mann vom AZ Alkmaar auf den Tisch. Mit 13 Toren und 8 Assists kam Karlsson aus einer starken Saison in den Niederlanden. Entsprechend frustrierend waren seine Anfänge in Italien. Mit Bologna hat es nie richtig "gematcht". Der schwedische Nationalspieler wurde nach links und nach rechts verliehen. Erst ging es innerhalb Italiens zur US Lecce. Dann folgten Ausleihen zum Aberdeen FC nach Schottland sowie zum FC Utrecht in die Niederlande. "Es war richtig frustrierend", beschreibt der Offensivakteur diese Zeit. Als Servette angeklopft habe, sei er interessiert gewesen. Er habe sich mit Bologna-Teamkollege und Nati-Spieler Remo Freuler ausgetauscht. "Ich soll zu GC gehen", soll dieser mit einem Augenzwinkern geraten haben.
Neues Glück in der Schweiz?
"Es stimmt, dass er ein Junge ist, der schon viel herumgekommen ist und kreuz und quer unterwegs war. Er möchte unbedingt eine komplette Saison spielen. Das will er unbedingt. Das habe ich schon in meinen ersten Videocalls mit ihm gespürt. Wir hatten sofort einen guten Draht zueinander", erklärte Jocelyn Gourvennec gegenüber dem "Blick". Der Übungsleiter des 17-fachen Schweizermeisters ist glücklich, einen Spieler wie Karlsson in seinen Reihen zu wissen. Gourvennec bezeichnet seinen Schützling als "Unterschiedsspieler" und fügt an, dass er noch mehr von dem auf dem Platz sehen will, was Karlsson im Training zeigt. Der Franzose hofft, dass der Neuzugang zu alter Stärke zurückfindet. "Er scheint glücklich darüber zu sein, dass er hier ist", meint Gourvennec. In der Garderobe scheint das Klima zu passen.
Gegenüber der Tribune de Genève bestätigt Karlsson, dass es ihm in Genf gefällt. Die Mannschaft habe Qualität, auch wenn noch nicht alle Mechanismen passen. Dafür müsse man hart arbeiten. Abseits des Rasens findet er sich in der Schweiz ebenfalls gut zurecht. "Die Stadt ist schön", fasst der Neo-Servettien seine neue Heimat zusammen. Was ihm aber wesentlich mehr gefalle, sei die Ruhe. "In Italien wurde man ständig erkannt, wenn man auf der Strasse unterwegs war. Man wurde angesprochen, die Leute sind dir nachgelaufen. Hier ist es viel ruhiger. Es erinnert mich an Schweden", fügt er an.
Dass Genf nur eine Heimat auf Zeit sei, will Karlsson nicht einfach so stehen lassen. Angesprochen auf die Tatsache, dass sein Leihvertrag keine Kaufoption beinhalte, entgegnet der Zauberfuss: "Das würde ich so nicht sagen. Nächsten Sommer komme ich in mein letztes Vertragsjahr in Bologna. Mein Vertrag läuft 2028 aus. Vielleicht passt der Zeitpunkt. Mir gefällt es hier. Wenn es sportlich auch passt, bin ich sicherlich offen, um über einen Verbleib zu diskutieren."
Am kommenden Wochenende erhält der 28-jährige die Chance, sich auf dem Platz zu beweisen. Wird es ein nächster Schritt in die richtige Richtung? Wir hätten sicherlich nichts dagegen, wenn der Linksfuss in St. Gallen skort.
Foto: R.B.