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Deutschland denkt wehmütig an Ex-Servettien

30.06.2026 12:47:33 | Peter

Damals, als Oliver Neuville Paraguay aus der WM kickte

 

Es war die erste dicke Überraschung der diesjährigen K.O.-Runde der FIFA Weltmeisterschaft. Deutschland unterliegt Paraguay im Elfmeterschiessen.

Zugegebenermassen hatte unser nördlicher Nachbar ausserordentlich Pech. Aufgrund einer strittigen Schiedsrichterentscheidung wurde Jonathan Tahs vermeintliches Siegtor in der Verlängerung zurückgenommen. Nichtsdestotrotz war der Auftritt der Deutschen überhaupt nicht rühmlich.

Vor 24 Jahren war, nach demselben Aufeinandertreffen, war den deutschen Gazetten etwas mehr Euphorie zu entnehmen. An der FIFA WM in Japan & Südkorea traf Deutschland im Achtelfinale auf Paraguay. Im Jeju World Cup Stadium von Seogwipo verlangten sich die beiden Mannschaften ebenfalls alles ab. Lange stand es 0:0. Genauer gesagt, bis zur 88. Minute. Dann löste Oliver Kahn im eigenen Sechzehner einen Angriff aus. Ein weiter Ball der Goalielegende wurde auf dem rechten Flügel verlängert. Bernd Schneider schnappt sich das Leder und flankt zur Mitte, wo Oliver Neuville nur noch den Fuss hinhält und zum 1:0 verwandelt. Deutschland eliminiert die Südamerikaner und marschiert später ins Finale. Dort unterliegt das Team von Rudi Völler Brasilien und seinem Starstürmer Ronaldo.



Gut zehn Jahre vor besagtem WM-Achtelfinale gegen Paraguay war Oliver Neuville in Deutschland ein unbeschriebenes Blatt. Der Sohn von Josef "Jupp" Neuville, einem deutschen Fussballer, der an verschiedenen Stationen in der Schweiz tätig war, kam 1973 in Locarno zur Welt. Im Tessin machte er, fernab der Heimat seines Vaters, seins fussballerische "Ausbildung" bei der US Gambarogno und beim FC Locarno. 1992 wechselte er schliesslich zum Servette FC, wo man grosste Stücke auf seinem Stürmer hielt. Aus dieser Zeit stammt auch ein TV-Bericht, der auf YouTube zu finden ist. Neuville wurde 1994 mit Servette Meister und steuerte 16 Tore zu diesem Erfolg bei. Zwei Jahre darauf folgte die Trennung von den Grenats. Der CD Teneriffa lotste den hoffnungsvollen Offensivakteur nach Spanien. Nur eine spielzeit später folgte der Wechsel in die 1. Bundesliga, wo der FC Hansa Rostock Neuville unter Vertrag nahm.  Kurz darauf folgte das Debüt im Nationalteam. Über Bayer Leverkusen, wo er 2002 das Finale der UEFA Champions League bestritt (2:1-Niederlage gegen Real Madrid) landete Neuville schliesslich beim VfL Borussia Mönchengladbach. dort wurde er zum Kult-Spieler. Nach einem kurzen Abstecher zum DSC Arminia Bielefeld kehrte Neuville 2011, nach Ende seiner Aktivkarriere, zu den "Fohlen" zurück. Dort bekleidet er seither diverse Trainerämter. Ausserhalb von Möchengladbach wird er aber auch wegen seines Tors gegen Paraguay in Erinnerung bleiben.