Die grosse Torwartfrage zur neuen Saison
Wer steht künftig zwischen den Pfosten?
Es ist eine der grossen Fragen, welche diesen Sommer den Servette FC beschäftigt. Wer hütet in der kommenden Saison das Tor des 17-fachen Schweizermeisters?
Im Stade de Genève steht diesen Sommer ein Umbruch zwischen den Pfosten an. Joël Mall hat den Klub verlassen und beim BSC Young Boys unterschrieben (wir berichteten). Jérémy Frick, Servette-Legende und Malls bisheriger Konkurrent um den Stammplatz, bleibt den Calvin-Städtern erhalten. Unmissverständlich waren jedoch die Worte, welche John Williams gegenüber der Tribune de Genève fand. Dort gab der Sportchef bekannt, dass man auf der Suche nach einer neuen Nummer 1 sei. Dies habe er dem Spieler im Gespräch bekanntgegeben. Nichtsdestotrotz schätze man den langjährigen Keeper und möchte ihn im Verein behalten. Auch eine Anschlusslösung für die Zeit nach der Aktivkarriere sei vorgesehen.
Trainer Gourvennec wurde vom Blick ebenfalls auf die Situation angesprochen. Er bestätigte, dass es zu einem Umbruch kommt. Genauer wollte er jedoch nicht auf die Situation eingehen. Der Franzose hob jedoch hervor, dass er die Situation mit zwei ähnlich starken Torhütern nicht mochte. Gourvennec will eine klare Hierarchie. Daraus könnte man ableiten, dass der neue Schlussmann der Grenats nominell besser, oder deutlich jünger als Jérémy Frick sein dürfte. Mehrere Kandidaten wurden im Zusammenhang mit der anstehenden Rochade genannt.
Foto: R.B.
Timothy Fayulu
Schon vor ein paar Tagen nannte der Blick den gebürtigen Genfer als Anwärter auf den freien Platz im Servette-Tor. Fayulu spielte auf Juniorenstufe für den SFC, feierte aber seinen Durchbruch als Profi beim FC Sion. Er kennt die Liga bestens und steht im Wallis auf dem Abstellgleis. Die abgelaufene Spielzeit verbrachte der 26-jährige auf Leihbasis beim FC Noah Jerewan. Beim armenischen Spitzenteam war Fayulu nicht immer gesetzt. Dennoch wurde er vor einigen Tagen für die FIFA Weltmeisterschaft aufgeboten. Sion-Boss Constantin kündete bereits an, dass er den Verkauf des Nationaltorwarts der demokratischen Republik Kongo prüfen werde, sobald dieser aus Nordamerika zurückkehre. Es deutet also nichts darauf hin, dass man als SFC tief in die Tasche greifen müsste. Die Frage bei Fayulu wäre jedoch, ob er sich gegen Frick als klare Nummer 1 behaupten könnte, oder ob man bereits im nächsten Winter wieder über die Goaliehierarchie reden müsste.
Anthony Racioppi
Wie Fayulu stammt auch Racioppi ursprünglich aus Genf. Diese Tatsache bringt ihn automatisch auf die Kandidatenliste einiger Fans. Aufgrund seiner Engagements in Deutschland (1. FC Köln), England (Hull City FC) und Frankreich (Olympique Lyonnais & Dijon FCO) brächte der 27-jährige reichlich Erfahrung mit. Nach einer starken Saison beim FC Sion hat sich der Schlussmann in die Notizbücher vieler Vereine gespielt. Der FC Basel 1893 soll sich, so weiss es der Blick, mit dem Westschweizer beschäftigen. Christian Constantin will Avancen anderer Super-League-Klubs unterbinden und Racioppi im Wallis halten. Für Servette scheint dieser Transfer unmöglich zu stemmen sein. Falls es zu einem Wechsel innerhalb der Liga kommt, wird Racioppi ans Rheinknie wechseln.
Karlo Letica
Der Kroate erwies sich in den letzten drei Spielzeiten als sicherer Rückhalt im Tor des FC Lausanne-Sport. Nun ist es Zeit für einen Wechsel. Der 29-jährige verlängerte seinen auslaufenden Vertrag im Stade de la Tuilière nicht mehr. Letica würde die Qualitäten mitbringen, die beim SFC gefragt sind. Als "Free Agent" (= Spieler ohne Vertrag) wird Letica nach einem guten Angebot Ausschau halten. Auch hier weiss der Blick, dass der FC Basel 1893 an der Personalie dran ist. Konkretes Interesse aus Genf gibt es bislang nicht.
Quentin Braat
Auch der Name des Torwarts von Rodez AF fällt im Zusammenhang mit Servettes Goaliesuche - allerdings nur im Fanforum der Grenats. Dennoch dürfte Gourvennec und Williams der Name des Franzosen geläufig sein. Braat wurde in der abgelaufenen Saison als bester Torhüter der Ligue 2 ausgezeichnet. Es ist davon auszugehen, dass diese Prämierung andere Vereine auf den Plan bringen könnte, den 28-jährigen verpflichten zu wollen. Nach dem verpassten Ligue-1-Aufstieg von Rodez dürfte der Spieler die eintreffenden Anfragen nicht pauschal ablehnen. Sollte es tatsächlich zu einer Kontaktaufnahme aus Genf kommen, wird Servette seine Europacup-Ambitionen unterstreichen müssen. Ansonsten scheint ein Transfer nur schwer realisierbar zu sein.
Léo Besson
Nebst all den renommierten Namen geht beinahe unter, dass mit Léo Besson ein Eigengewächs von seiner Leihe zurückkehrt. Der 23-jährige hat sich beim FC Stade-Lausanne-Ouchy in der Rückrunde vom Cup- zum Stammkeeper entwickelt. Mit dem Einsatz im Finale des Schweizer Cups erhielt Besson ein besonderes Abschiedsgeschenk. Die zukünftige Rolle des Schweiz-Kosovaren scheint noch ungewiss zu sein. Gourvennec selbst kommentierte die Rückkehr im Blick nicht. Besson wäre ein Wagnis, aber ein Signal an Servettes Nachwuchsabteilung, weiterhin stark auf eigene Talente zu setzen. Im Falle von Besson kann derzeit aber auch kein definitiver Abgang ausgeschlossen werden. Er dürfte in der Challenge League Blut geleckt haben. Vielleicht wird auch ein Transfer zu einem Klub angestrebt, der vollumfänglich auf ihn setzt.
Womöglich spekulieren wir auch über völlig falsche Namen und tappen im Dunkeln. John Williams hat Veränderungen angekündet und hat keine Hemmungen, diese in die Tat umzusetzen. Das hat der Engländer auch beim Rausschmiss von Scout Loche gezeigt. Wir sind gespannt, welche Antwort er uns auf die Torhüterfrage geben wird.