counter

Der gute alte Konjunktiv

21.04.2026 00:42:27 | Peter

Welche Stars beinahe das SFC-Trikot getragen hätten

 

Am letzten Samstag erinnerten wir uns an Karl-Heinz Rummenigge und seine Zeit am Genfersee (zum Bericht). Der Ballon d'Or-Gewinner von 1980 und 1981 war nicht der einzige Akteur von Weltklasseformat, der seine Koffer in der Calvin-Stadt abgestellt hatte. Auch Weltmeister Christian Karembeu und der mehrfache englische Meister Gaël Clichy trugen in ihrer Aktivzeit das Trikot des Servette FC. Am letzten Wochenende enthüllte die Tribune de Genève weitere Geschichten von Spielern, die beinahe bei den Grenats gelandet wären.

Dabei handelte es sich nicht nur um ein "Parkplatzgespräch", wie in der Geschichte, in welcher Gérard Castella Eric Cantona im Auto hätte nach Genf mitnehmen sollen (wir berichteten). Folgende vier Personalakten lagen in Genf effektiv auf einem Schreibtisch.

Michel Platini

Der Europameister von 1984 war in einer Zeit aktiv, in welcher die monetäre Schere zwischen den europäischen Grossklubs und den hiesigen Vereinen noch nicht so gross war. Beim SFC war mit Carlo Lavizzari ein Mann am Ruder, dessen Geldbeutel auch einen guten Briefbeschwerer abgegeben hätte. Der Immobilienmakler galt als einer der prägendsten Präsidenten des Servette FC. Er schuf die "Millionarios", wie die Mannschaft in den Achtzigern von der Konkurrenz genannt wurde. Der Mann mit dem auffälligen Schnurrbart liebte den Fussball und Statussymbole. Entsprechend sollte 1986 ein grosser Name her. Lavizzari wollte Platini ins Stade des Charmilles lotsen. Der 31-jährige Starspieler des Juventus FC hatte es dem Servette-Boss angetan. Es kam zu Treffen zwischen dem französischen Nationalspieler und Lavizzari. Auch eine mündliche Zusage soll gegeben worden sein. Angestachelt von italienischen Medien verhinderte schliesslich Umberto Agnelli den Wechsel über die Alpen. Der Präsident der "alten Dame" wollte nicht, dass ausgerechnet das Aushängeschild seines Teams in die "kleine Schweiz" weiterzieht. Lavizzari musste mit dem Rückschlag leben und verpflichtete wenig später Karl-Heinr Rummenigge.

Bradley Barcola

Der 23-jährige Linksaussen ist einer der Spieler des Paris Saint-Germain FC, der momentan bei vielen Scouts auf dem Wunschzettelt steht. Vor einigen Jahren war es noch ruhiger um den französischen Nationalspieler. Der Jugendspieler von Olympique Lyonnais hatte Mühe, sich einen Platz in der 1. Mannschaft von "OL" zu ergattern. Es war die Saison 2021/2022. Gérard Bonneau und Yoan Loche versuchten ihre guten Kontakte nach Lyon spielen zu lassen. Barcola hätte auf Leihbasis in die Schweiz wechseln sollen. Man bot dem Berater des Spielers Einsatzzeit für seinen "Schützling" an. Es kam tatsächlich zu Verhandlungen. Diese scheiterten schlussendlich an einer Lohnbeteiligung, welche der abgebende Verein hätte übernehmen sollen. Das Leihgeschäft wäre für dne SFC zu teuer geworden.

Hugo Ekitiké

45 Einsätze, 17 Tore und 6 Assists verbuchte Ekitiké in dieser Spielzeit für den Liverpool FC. Im Viertelfinale der UEFA Champions League riss sich der Angreifer die Achillessehne. Auf ihn wartet eine mehrmonatige Auszeit. Auch die FIFA Weltmeisterschaft kann sich der Franzose abschminken. Im Herbst 2024 spielte Ekitiké noch für PSG - oder besser gesagt, er spielte nicht. Der talentierte 21-jährige stand auf dem Abstellgleis. In Genf zeigte man eine ansprechende Hinrunde und verkaufte in der Winterpause Toptorschütze Chris Bedia nach Deutschland. Servettes damaliger Vize-Präsident Alain Moscatello brachte intern den Vorschlag, das PSG-Juwel ins Stade de Genève lotsen zu wollen. Gegenüber der TdG verrät Moscatello, dass man gegen Ende des Transferfensters mit dem Berater des damals 21-jährigen gesprochen habe. Konkret wurde es allerdings nie. Die SG Eintracht Frankfurt überwies über drei Millionen Euro Leihgebühr (!) nach Paris, um den Franko-Kameruner in die Bundesliga zu holen. Im Sommer zogen die "Adler" eine Kaufoption und transferierten den Spieler anschliessend für 87 Millionen Euro auf die Insel.

Olivier Giroud

Im Jahre 2018 konnte Olivier Giroud den Weltmeisterpokal in die Höhe stemmen. 2021 errang er mit dem Chelsea FC den Sieg in der UEFA Champions League. Das Palmarès des französischen Mittelstürmers kann sich sehen lassen. Im Alter von 38 Jahren hatte der 1,92m Hüne noch nicht genug vom Profigeschäft. Nach zwei Jahren, in welchen der Torjäger für den Los Angeles FC in der MLS aufgelaufen ist, wollte Giroud zurück nach Europa. Ein Karriereherbst in der steuergünstigen Schweiz wäre keine Utopie gewesen. Giroud soll einem ersten Angebot aus Genf nicht abgeneigt gewesen sein. Auf der Geschäftsstelle der Grenats war man zwiegespalten. Will man einen renommierten Namen in seinen Reihen wissen? Will man den (zu alten) Kader im Durchschnitt noch älter machen? Zum Ende stellten sich die Fragen nicht mehr. Giroud nahm eine Offerte vom Lille OSC an und beendete die Spekulationen, bevor sie so richtig aufkamen.