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Wie die Wahl auf Williams fiel

24.04.2026 00:21:01 | Peter

Präsident Broch erklärt das Auswahlverfahren

 

John Williams ist der neue Sportchef des Servette FC (wir berichteten). Der in Frankreich aufgewachsene Brite war kein Kandidat, den man als Anhänger der Grenats auf dem Schirm hatte.

Im Gespräch mit der Tribune de Genève äusserte sich Präsident Hervé Broch kürzlich zum Vorgehen bei der Wahl von Williams. Das Ziel sei gewesen, den Klub wachsen zu lassen und sich zu professionalisieren. Entsprechend war man nicht daran interessiert, eine überstürzte Entscheidung zu treffen. Bei Servette soll endlich Ruhe einkehren.

Es sei strukturiert vorgegangen worden. Das Entscheidungskomitee habe alle Werte zu Papier gebracht, welche man sich vom Neuzugang erhoffe. Darunter waren auch Themen wie die Integration von Junioren im Fanionteam, der Spielstil der 1. Mannschaft sowie die Digitalisierung und die Arbeit mit Daten abseits des Rasens. Im Entscheidungsprozess waren auch externe Personen involviert. Philippe Senderos, der das Amt des Servette-Sportchefs schon selbst bekleidete, wurde als externer Berater hinzugezogen. Dieser brachte wiederum Stéphane Erhart ins Team ein. Erhart arbeitet für die UEFA und leitet Weiterbildungskurse für Personen, die sich für eine Rolle als Sportchef eines professionellen Fussballvereins vorbereiten möchten. Auch Senderos habe schon einen Kurs von Erhart besucht, weshalb er voll von den Qualitäten des Franzosen überzeugt gewesen war. Von den rund 50 Kandidaten, die es in die Vorselektion geschafft hatten, sollen etwa dreissig (ehrenamtlich) von Erhart vorgeschlagen worden sein. Faktoren wie Fachkompetenz und Verfügbarkeit waren ebenso wichtig, wie die finanziellen Sphären, in welchen sich der Neo-Sportchef bewegen können muss. Dass auch Williams ein Kandidat von Erharts Liste war, unterstreicht seinen Einfluss im Auswahlverfahren.

John Williams setzte sich gegen den als Favoriten gehandelten Hiraç Yagan durch. Der Name des Mannes, der den FC Stade-Lausanne-Ouchy in die Super League gebracht hatte, geisterte immer wieder durch die Medien. Ein weiterer, intern heiss gehandelter Kandidat war Julien Fournier. Er stand schon als Funktionär beim OGC Nizza, Olympique Marseille und beim RC Strasbourg unter Vertrag. Steve von Bergen, ehemaliger Sportchef des BSC Young Boys, wurde ebenfalls vom SFC kontaktiert, erteilte dem 17-fachen Schweizermeister aber aus familiären Gründen eine Absage.

Klare Vorgaben von der Vereinsführung

Die letzten Kandidaten auf der "Short List" wurden in persönlichen Gesprächen zu den Werten befragt, welche Broch und sein Team ausgearbeitet hatten. Als die Wahl schliesslich auf Williams gefallen ist, wurde die eigene Organisation hinterfragt. Die momentan installierte Sportkommission werde in dieser Form nicht mehr weitergeführt. Der Sportchef stehe, im sportlichen Bereich, an der Spitze des Organigramms. Dennoch sei der Austausch mit Coach Jocelyn Gourvennec, "Talentmanager" Yoan Loche und den Verantwortlichen der Nachwuchsakademie wichtig. Weitere Stellen im Scoutingbereich oder als Datenanalyst werden geschaffen. Komplett freie Hand hat Williams dabei aber nicht. Broch erklärte gegenüber der Tribune de Genève, dass die Personalkosten nicht explodieren dürfen. Williams habe ein klares Pflichtenheft, in welchem verschiedene Ziele definiert worden sind. Die Lohnsumme müsse im korrekten Verhältnis zum Budget stehen. Das erwartet auch die Fondation 1890, deren Präsident Grégoire Pictet über das ganze Auswahlprozedere informiert gewesen war.

Um Interessenkonflikte im Keim zu ersticken, habe man Williams eine Festanstellung in Genf gegeben. In Amiens, wo der 50-jährige zuletzt engagiert war, warfen ihm böse Zungen vor, sich nicht voll auf den Verein konzentriert zu haben, weil er nebenher noch eine eigene Beratungsfirma für Profifussballer geführt hatte. Broch erwähnt, dass Williams einen festen Monatslohn beziehe, der mit Prämien aufgebessert werden kann. Wie bei den Spielern auch, soll dies ein Ansporn sein, um möglichst gute Resultate einzufahren.

Man darf gespannt sein, wie Williams in den nächsten Wochen agieren wird. Besonders die Akten von Timothé Cognat und Junior Kadile könnten für den Neuankömmling zu ersten Beweisproben werden. Sollte es zu unpopulären Entscheidungen kommen, dürfte erster Gegenwind von den Rängen kommen. Seien wir gespannt.