Frick knackt 300er-Marke
"Le Frick c'est chic!"
Am Ostermontag erreichte Jérémy Frick einen Meilenstein. Der Torwart feiert seinen dreihundertsten Pflichtspieleinsatz im Servette-Trikot. Ein Jubiläum, das nur durch die Verletzung von Kontrahent Joël Mall etwas getrübt wird.
Knapp fünfzig Minuten waren gespielt, als sich Jérémy Frick gegen den FC Luzern unverhofft aufwärmen musste. Mit seiner Einwechslung sprengt der 33-jährige die Barriere von 300 Pflichtspieleinsätzen für den Servette FC! 300 Partien, die Frick von den Niederungen der Challenge League bis in die Qualifikation zur UEFA Champions League oder ins Achtelfinale der UEFA Conference League geführt haben. Dabei trug er immer "seine" Nummer 32 auf dem Rücken.
Foto: R.B.
Die Anfänge
Bereits im Nachwuchsbereich trug Frick das Trikot der Grenats. Als Goalietalent erkannt, liess sich der Junior des FC Collex-Bossy auf einen Wechsel zum Traditionsklub im nahen Genf ein. Damals sollte der SFC nur eine Zwischenstation auf dem Weg in den Weltfussball sein. Denn bereits als Teenager packte Frick seine Koffer und schloss sich der Juniorenakademie von Olympique Lyonnais an. Dort war er Teamkollege von späteren französischen Nationalspielern wie Nabil Fekir, Corentin Tolisso oder Samuel Umtiti. Auch im Fanionteam durfte der junge Schweizer reinschnuppern. An Stammtorwart Hugo Lloris kam er aber nicht vorbei. Spielminuten bei den Profis blieben ein Traum.
Es dauerte bis zur Wintertransferperiode der Saison 2014/2015, bis man auch hierzulande Notiz vom einstigen Nachwuchstorhüter genommen hatte. Beim SFC wurde Stammgoalie Roland Müller, nach einer roten Karte, für mehrere Partien gesperrt. Ersatzmann João Barroca fiel verletzungsbedingt aus. Auf Leihbasis lotsten die Servette-Verantwortlichen Frick in die Heimat zurück. Der Juniorennationalspieler nutzte seine Chance und sicherte sich den Platz zwischen den Pfosten bis zum Saisonende. Komplett durchstarten konnte Frick damit aber noch nicht. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten wurde Servette die Lizenz verweigert. Es ging in die Promotion League - keine Option für einen aufstrebenden Torhüter, der gerade erst seine ersten Profieinsätze absolviert hat. Erst recht, weil man in Lyon definitiv nicht mehr mit dem einstigen Nachwuchstalent planen wollte. Es folgte ein Wechsel zum FC Biel-Bienne.
Rückkehr zu seinem Herzensklub
Schon als Junge fieberte Frick mit den Servettiens mit. Es dürfte nicht viel Überzeugungsarbeit gebraucht haben, als die Grenats im Sommer 2016 wieder bei Frick angeklopft haben. Der 17-fache Schweizermeister kehrte, nach einem Jahr im Amateurfussball, in die Challenge League zurück. Weil es diesmal Biel war, das aufgrund eines Konkusres zwangsrelegiert wurde, konnte eine ablösefreie Rückholaktion realisiert werden.
Auch die zweite Heimkehr entpuppte sich für Frick als absoluter Volltreffer. Regelmässig stand er in der Startelf, 2019 gelingt der Aufstieg in die Super League. Im Oberhaus entwickelt sich das SFC-Eigengewächs zu einer festen Grösse. Es folgen diverse Berufungen in das "Team der Runde". Gar ein Aufgebot für die A-Nationalmannschaft flattert rein. Es war nicht verwunderlich, dass auch andere Klubs auf den Genfer aufmerksam geworden waren. Ein Transfer ins Ausland kam, aus Sicht der Fans, glücklicherweise nie zustande. Nebst den eingangs erwähnten internationalen Auftritten mit seinem "Herzensverein" feiert er 2024, in einem denkwürdigen Final gegen den FC Lugano, den Sieg im Schweizer Cup. Unvergessen dabei war die Goalierochade von Trainer Weiler vor dem Elfmeterschiessen. Kapitän Frick stellte sein Ego zurück und überliess Ersatzmann Mall das Tor. Der Rest ist Geschichte.
L’impressionnante collection d’arrêts de Jérémy Frick contre le FC Bâle cet après-midi ???? MVP du match, le gardien du @ServetteFC a maintenu son équipe dans la rencontre.
— Daniel Romano (@Daniel_Rmano) July 24, 2022
#servettefc #FCBSFC pic.twitter.com/OUDhlwHtO8
Eine Ikone, mit der es nie langweilig wird
Als Sprachrohr der Mannschaft gilt Jérémy Frick bei Mitspielern und Fans als Identifikationsfigur. Zu behaupten, dass er keinen Unterhaltungswert bringt, wäre eine gewagte Aussage. Als halber Deutschschweizer ist der Routinier ein gefragter Interviewpartner, der selten um eine Antwort verlegen ist. Egal ob der FCZ ein "geiles Tor" schiesst, der Torwart von Rapperswil-Jona "nicht so blöd tun" soll, oder sonstige nicht Jugendfreie Kommentare. Wer kann bei dem Akzent lange böse sein?
Ganz normales Interview mit Jérémy Frick pic.twitter.com/DtftAHCwFX
— Nik Dömer (@nikdoemer) November 24, 2025
Auch auf dem Rasen lässt Frick niemanden kalt. Nebst Traumparaden streut der langjährige Rückhalt, leider auch in der aktuellen Saison, hin und wieder einen Bock ein. Nicht immer müssen diese aber in einem Gegentreffer enden. An der altehrwürdigen Stamford Bridge korrigierte er seinen Aussetzer, mit viel Leidenschaft und einer Glanzparade, gegen Chelseas Marc Guiu.
Auch als Eishockeyspieler hat sich Frick schon versucht. Vor drei Jahren besuchte er Gauthier Descloux, den Goalie des Genève-Servette HC. Dieser steckte ihn zuerst in die Ausrüstung und dann ins Tor. Auch dort machte er eine gute Figur.
Man kann sagen, was man will. Jérémy Frick ist Kult - und noch bis 2027 an den Servette FC gebunden. Wir sind gespannt, ob sich die Teamstütze auch sportlich wieder in die Gunst der Fans spielen kann. Wir gratulieren zum Jubiläum und freuen uns auf die restlichen Runden der aktuellen Spielzeit!