Wo warst du am 09. April 2011? Keine Ahnung? Es gibt jemanden, der genau weiss, was er an diesem Tag gemacht hat - Matias Vitkieviez!
"Es war eine Reaktion auf einen Spieler von Lausanne, der dasselbe getan hatte, als sie uns zuvor im Stade de Genève besiegt hatten. Als ich das gesehen habe, war ich wütend - genauso wie die Fans. Ich habe mir sofort gesagt, dass wir in Lausanne gewinnen werden und dass ich ein Tor schiessen werde. Danach stecke ich ihnen die genfer Flagge in den Rasen!", erinnert sich "Mati" an diesen Samstagabend auf der Pontaise zurück. Der Angreifer war eine der prägenden Figuren der "Renaissance" des Servette FC in den Zehnerjahren. Noch heute ist er stark mit dem Verein verbunden.
Anlässlich des heutigen Léman-Derbys traf sich Daniel Visentini von der Tribune de Genève mit dem 40-jährigen. Für ihn sei ein Derby immer etwas ganz Spezielles gewesen. "Für mich ging es um Leben und Tod", schiebt er nach. Dem Offensivspieler wird dieses Denken schon in die Wiege gelegt. Vitkieviez ist in Uruguay geboren und kam erst als Teenager nach Europa. In seiner Kindheit sei Nacional Montevideo sein Herzensklub gewesen. Wenn Nacional im Derby auf Erzrivale Peñarol traf, sei das ganze Land stillgestanden. Schon Tage im Voraus habe er mit anderen Kindern die Spiele auf Bolzplätzen oder Strassen nachgespielt. Jeder wollte für seine Farben gewinnen. Diese Leidenschaft habe er mitgenommen. Immer, wenn es gegen Lausanne ging, habe er die ganze Woche hindurch eine Anspannung gespürt, die ihn am Vorabend des Spiels kaum schlafen liess.
Auch heute Nachmittag ist das Duell der beiden Rivalen kein normales Spiel. Auch sportlich steht viel für beide Seiten auf dem Spiel. Die Servettiens wollen aus dem Tabellenkeller raus, Lausanne kämpft um einen Platz in der Championship Group. Um zu reüssieren, auch in anderen Spielen, bedarf es bereits die richtige Einstellung im Training, resümmiert Vitkieviez. "Es muss hart und intensiv sein. Auf dem Platz macht dir auch niemand Geschenke. Man muss hart arbeiten und damm immer härter weiterarbeiten. Das ist mein Ratschlag, den ich an die Servettiens von heute weitergeben möchte", fährt er fort. Die Servette-Legende vermisst einen Leader auf dem Platz. Miroslav Stevanovic ginge mit der richtigen Einstellung aufs Feld, aber er sei zu schweigsam. Auch Timothé Cognat oder Steve Rouiller seien nicht Leute, die von Natur aus mal laut werden. Genau hier fehle Jérémy Frick. Er sei der Anführer der Mannschaft. Er sei, der in der Umkleidekabine ausspricht, was ausgepsrochen werden muss. Die Verletzung des Torhüters wirke sich negativ auf das ganze Team aus. Nichtsdestotrotz möchte "Mati" nicht den Teufel an die Wand malen. "DIe Mannschaft hat Charakter. Sonst wäre sie in St. Gallen nicht mehr so zurückgekommen. Das Problem ist einfach, dass diese Einstellung nicht über ein ganzes Spiel aufrecht erhalten werden kann."
Ähnlich soll es auch Jocelyn Gourvennec sehen. Der Trainer schickt seine Spieler mittlerweile zu einem Psychologen. In obligatorischen Terminen werden die Probleme in Gruppen angesprochen und verarbeitet. Wer auf persönlicher Ebene weiterreden möchte, kann dies in freiwilligen Einzelgesprächen tun.
Vor dem heutigen Spiel im Stade de la Tuilière ist "Mati" nervös. Dennoch glaubt er an die Grenats. Er tippt auf einen 2:1-Erfolg der Gäste - mit Toren von Stevanovic und Rouiller.

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