Der Servette FC steckt mitten in einem Wandel. Seit Jahren wurden nicht mehr so viele Nachwuchsspieler in die 1. Mannschaft integriert. Als technischer Leiter der Juniorenakademie spricht Massimo Lombardo über die Arbeit, die hinter den Kulissen geleistet wird.
Ungeachtet der Gerüchte um einen eigenen Abgang (wir berichteten), tauschte sich Lombardo mit Proxifoot aus. Im Gespräch mit dem genfer Online-Fussballportal offenbart der 53-jährige, dass es eine Genugtuung sei, wenn er auf den Kader der 1. Mannschaft blicke. Jamie Atangana, Malek Ishuayed, Thomas Lopes, Mardochée Miguel und Alonzo Vincent - sie alle gaben in dieser Spielzeit ihren Pflichtspieleinstand bei den Profis. Dies, nur ein gutes halbes Jahr nachdem sie zusammen im Finale der U19 Elite League standen und knapp dem FC Basel 1893 unterlagen (wir berichteten). Aus Sicht der jungen Spieler sei vieles richtig gelaufen. Am Ziel sei jedoch noch keiner angekommen. "Zu sehen, dass die Spieler in der 1. Mannschaft Einsatzzeit erhalten, ist sehr erfreulich", erklärt Lombardo: "wir erwarten aber von ihnen, dass sie mit demselben Enthusiasmus auftreten, wenn sie für die U21 aufgeboten werden."
Dass es ausgerechnet in dieser Saison so viele Nachwuchshoffnungen ins Fanionteam schaffen, habe mehrere Gründe. Sperren und Verletzungen haben Lücken in die Mannschaft gerissen, welche mit Talenten aus der "Académie" gestopft werden konnten. Zudem macht Lombardo auch keinen Hehl daraus, dass man mit Jocelyn Gourvennenc einen Trainer engagiert hat, der sich offen für neue Elemente zeigt und der klar kommuniziert. Man müsse aber klarstellen, dass alle Spieler, die in die 1. Mannschaft hochgezogen werden, diesen Schritt auch wirklich verdient hätten. Es bedarf guter Trainingsleistungen, um sich einen Einsatz in der Super League zu erkämpfen. Ist dieser Schritt gemacht, komme der schwierige Teil der Geschichte - das nachhaltige Durchsetzen innerhalb des Teams. "Man muss dem Trainer zeigen, dass die Mannschaft nicht schlechter wird, wenn ich auf dem Platz bin", präzisiert Lombardo.
Die Organisation soll umgestellt werden
Nicht nur im Super-League-Kader sind Veränderungen spürbar. Auch in den verschiedenen U-Mannschaften fallen Akteure auf, die eigentlich noch eine Stufe tiefer spielen könnten. Lombardo, der einst selbst den Sprung zum Profifussballer geschafft hat, kann auch diese Tatsache erklären. Es sei im Interesse des Klubs, dass man Spieler nachziehe, die auf höherer Stufe im Meisterschaftsbetrieb bestehen können, ohne unnötige Rückschläge zu erleiden. Um hier die richtigen Namen zu selektionieren, habe man auch die Kaderplanung überdacht. Man sei gerade dabei, die Organisation umzustellen. Schon in Kürze sollen jeweils zwei Mannschaften in der Planung zusammengelegt werden. Die U21 spricht sich mit der U19 ab, die U17 mit der U16 und die U15 mit der U14. Das helfe, die Talente optimal einzusetzen. Im Januar reisten beispielsweise die U21 und die U19 in ein gemeinsames Trainingslager nach Frankreich.
Als technischer Leiter des Nachwuchsbereichs plane Lombardo nie kurzfristig. Sämtliche Karrierepläne seien auf mehrere Jahre ausgelegt worden. Gegen Ende ihrer Ausbildung sollen die Eigengewächse, die das grösste Potential zeigen, an den Klub gebunden werden. Als klassisches Beispiel nennt Lombardo einen Vertrag über drei Jahre. Diese Laufzeit ermögliche es, einen Spieler langsam an den Profifussball heranzuführen. Im ersten Vertragsjahr wird ein Youngster gelegentlich ins Training des Fanionteams hocbeordert. Für viele sei dies bereits eine "phänomenale Erfahrung". Wenn die Leistung im Training stimmt, kann über ein Aufgebot an einem Spieltag diskutiert werden. Im zweiten Jahr stehe die Spielpraxis im Vordergrund. Brauche ein Spieler etwas mehr Zeit, kommt z.B. eine Leihe in die Challenge League in Frage. Beim SFC sei man überzeugt davon, dass dies keine Sackgasse für einen jungen Spieler sei. Im Gegenteil - dieser Weg könne ein entscheidender Karrierebooster sein, wenn der Spieler regelmässig zum Zug kommt. Im dritten Jahr müssen dann die Weichen endgültig gestellt werden.
Angesprochen auf die Vertreter der Challenge League beteuerte Lombardo, wie wichtig der Etoile Carouge FC für Servette sei. Entsprechend befinde man sich im ständigen Austausch mit den Verantwortlichen der "Stélliens". Aber auch andere Vereine aus dem Kanton Genf seien wichtige Partner für die Grenats. Es sei gut, wenn man seinen Junioren verschiedene Perspektiven in der Ligapyramide anbieten könne.
Schafft die U21 den Aufstieg?
"Meiner Meinung nach ist die Promotion League der ideale Ort für einen jungen Spieler, der später in der 1. Mannschaft durchstarten möchte. Wenn wir die Möglichkeit haben, den Aufstieg zu schaffen, dann sollten wir sie packen!", gibt sich Lombardo kämpferisch. Besonders Athletik, Cleverness und Taktik seien auf einem guten Level, auf dem die U21-Spieler Fortschritte machen können. Nachdem man vor zwei Jahren in die 1. Liga Classic abgestiegen sei, habe man seine Schlüsse daraus gezogen.
Man sei sich bewusst, dass man über keine brilliante Infrastruktur verfüge. Umso wichtiger sei es deshalb, dass die anderen Rahmenbedingungen stimmen.
Lombardos Motivation
An dieser Stelle hält sich der gebürtige Tessiner nicht zurück. Nach sieben Jahren im Amt resümmiert er wie folgt: "Wenn ich keine Freude daran hätte und die Dinge nicht mit Leidenschaft tun würde, täte ich das, was ich tue, schon längst nicht mehr. Ich versuche jeden Tag, jede Woche neue Motivationspunkte zu finden und mich ständig selbst weiterzuentwickeln. Was meine langjährige Tätigkeit erklärt, ist die Tatsache, dass ich mit vielen leidenschaftlichen Menschen zusammenarbeiten darf. Diese kommen jeden Tag mit dem Ziel zur Arbeit, unsere jungen Talente voranzubringen."

Social Media