Als ein Servettien Olympiagold holen konnte
Zum Start der Winterolympiade - die Geschichte von Charles Bouvier
In Norditalien, offiziell in Cortina d'Ampezzo und Mailand, starten heute die 25. Olympischen Winterspiele. Die helvetischen Athleten um Fanny Smith, Marco Odermatt oder Nico Hischier wollen für einen Medaillenregen sorgen. Damit könnten sie in die Fussstapfen eines Servettiens treten.
Charles Bouvier war ein Gründungsmitglied des Meyrin FC, wechselte aber 1916 die Fronten und kam zum Servette FC. Der robuste Aussenverteidiger spielte mehr als ein Jahrzehnt lang für die Grenats. Dabei war er eine prägende Figur in einer erfolgreichen Ära.
Bouvier der Fussballer...
Zu Bouviers Zeit wurde die Meisterschaft in drei Untergruppen ausgetragen. Die drei besten Mannschaften jeder Untergruppe trafen am Ende der Saison im Finale aufeinander. Während seiner zwölf Jahre beim Servette FC gewann der Mann, dessen Markenzeichen eine Baskenmütze wa, achtmal die Meisterschaft der Westschweiz und wurde viermal Schweizermeister. Ebenso in seinem Palmarès steht der Cup-Sieg von 1928. Dieser war der erste in der Vereinsgeschichte.
Zusammen mit Otto Fehlmann bildete Bouvier ein legendäres Verteidigerduo. Beide waren technisch versiert, konnten aber bei Bedarf auch körperbetont spielen. Mit ihrer Ruhe und ihrer Ballbeherrschung ergänzten sie sich perfekt. Trotz allem gerieten die beiden Charakterköpfe immer wieder aneinander. Trainerlegende "Teddy" Duckworth ging sogar so weit, dass er Bouvier zeitweise in den Sturm "versetzte". Auch dort konnte der Westschweizer mit seinen Qualitäten überzeugen. Diese brachten ihn auch in die schweizer Nationalmannschaft, für welche er fünf Mal auflaufen durfte.
...und der Olympionike
Beim Olympischen Fussballturnier 1924 gehörte Bouvier zum Kader. Duckworth, der nebst dem SFC auch das Nationalteam betreute, plante mit dem Servettien. Aus unbekannten Gründen reiste dieser aber nicht nach Paris. Schade, denn die Eidgenossen konnten erst im Finalspiel von Uruguay ausgebremst werden und sicherten sich die Silbermedaille. Zu Bouviers Olympia-Teilnahme sollte es später dennoch kommen - allerdings erst zwölf Jahre später. Nach seiner Fussballkarriere wechselte Bouvier die Sportart und stürzte sich fortan Im Zweier- und Viererbob die Eiskanäle der Welt hinunter. Als kraftvoller Anschieber machte er sich im Bobsport einen Namen. Und so kam es, dass Bouvier an den Olympischen Winterspielen 1936 an den Start ging. Als amtierende Vize-Weltmeister gewannen Bouvier und seine Kollegen in Garmisch-Partenkirchen die Goldmedaille. Es war die Krönung einer aussergewöhnlichen Sportkarriere.
Foto: super-servette.ch