Es ist zum Mäusemelken. Nur eine Woche nach dem wichtigen Sieg gegen die Grasshoppers verfallen die Grenats in Lugano in alte Muster. Im Duell mit den Bianconeri setzte es eine 4:2-Pleite.
An diesem späten Dezemberabend waren die Berge rund um das Stadio Comunale di Cornaredo in romantisches Alpenglühen gehüllt. Mit der Romantik war es nach Anpfiff schnell vorbei. Knapp fünf Minuten waren gespielt, da flatterte ein Flatterball von Papadopulos auf das genfer Gehäuse. Torwart Mall machte sich lang, zögerte aber einen Augenblick und kam zu spät. Wie so oft in dieser Spielzeit mussten die Servettiens einem frühen Rückstand nachrennen.
Und für die Gäste kam es noch dicker. Nachdem Njoh einen Mahmoud-Abschluss unabsichtlich mit der Hand blockierte, wurde Schiedsrichter Schnyder an den TV-Monitor zitiert. Der Unparteiische, der zuerst weiterlaufen lassen wollte, entschied sich um und entschied auf Handspenalty. Im Tessin hat man mit Grgic einen routinierten Elfmeterschützen. Der 29-jährige nahm Anlauf, verzögerte und verwandelte zum 2:0 nach 18 Minuten.
Beim FCL schien an diesem Sonntag alles zu klappen. 24 Minuten waren absolviert, da legt Cimignani einen kurz ausgeführten Freistoss mit dem Absatz zu Bislimi rüber. Der hat eine Lücke vor sich und zieht sofort ab - 3:0! Ein Schlag ins Gesicht der Gästefans, welche die beschwerliche Reise in den italienischsprachigen Teil der Schweiz mitgemacht haben.
Die Gäste warteten noch immer auf ihr erstes Highlight, da folgte bereits das nächste Lowlight. Toptorschütze Ayé wurde nach einer halben Stunde ausgewechselt. Der Oberschenkel hat gezwickt. Guillemenot übernahm den frei gewordenen Platz im Servette-Angriff.
Es ging schon langsam in Richtung Pause, da kam der SFC zu einem Corner. Dieser wurde kurz ausgeführt, sodass Cognat das Leder aus dem Halbfeld ins Zentrum flanken konnte. Die Vorlage des Franzosen landete auf dem Kopf von Landsmann Douline. Dieser beweist "Köpfchen" und bezwingt Saipi zum 3:1. Ein kleiner Hoffnungsschimmer zur Pause, denn mit diesem Resultat wurden die Seiten gewechselt.
Wie schon der erste Durchgang, fing auch Halbzeit zweit rabenschwarz an. Erst kann Guillemenot alleine auf das gegnerische Tor ziehen. Nachdem der Stürmer leichtfertig vergibt, folgt der Dampfhammer der Heimmannschaft. Grgic tritt in der 52. Spielminute einen Eckball zur Mitte. Dort kommt Papadopoulos frei zum Kopfball. Gnadenlos stellt der Abwehrchef auf 4:1 und sorgt für die Vorentscheidung. Denn Servette kann die Fesseln der Gegenwart auch im Cornaredo nicht ablegen. Zwar trifft Fomba mit einem Freistoss noch den Pfosten, doch alles in allem fehlt der Zug nach vorne. Einzige Ausnahme war eine Szene nach 70 Minuten. In dieser kommt Stevanovic auf dem rechten Flügel in Ballbesitz. Sofort bedient er den einschussbereiten Mráz, der auf 4:2 verkürzen kann. Danach braucht es "Schnitzer" der Bianconeri, um vor das Tor zu kommen.
Lugano sorgt selbst nur noch einmal für Raunen im Heimpublikum. An der Mittellinie lässt sich Rouiller von Steffen übertölpeln. Der einstige Nati-Spieler kann alleine davonziehen, findet dann aber seinen Meister in SFC-Goalie Mall. Dieser "stibitzt" dem Angreifer den Ball vom Fuss.
Wenig später war Schluss. Ein erneuter Rückschlag und eine erneute Enttäuschung für den Vize-Meister. Am kommenden Samstag fährt man, zum letzten Meisterschaftsspiel des Jahres, in den St. Jakob-Park. Gelingt ausgerechnet gegen den FC Basel 1893 die Überraschung oder geht es mit einer weiteren Niederlage in die Winterpause? Spätestens beim Sonntagsbrunch wissen wir mehr.
FC Lugano – Servette FC 4:2 (3:1)
Stadio Comunale di Cornaredo : 2'248 Zuschauer
Schiedsrichter : Urs Schnyder ; Marco Zürcher, Benjamin Zürcher
VAR : Anojen Kanagasingam ; Alessandro Dudic
Tore : 5' Papadopoulos (1:0), 18' Grgic (Handspenalty) (2:0), 24' Bislimi (3:0), 40' Douline (3:1), 52' Papadopoulos (4:1), 70' Mráz (4:2)
Servette FC : Mall ; Mazikou, Rouiller, Bronn (46' Baron), Njoh ; Douline, Fomba (60' Mráz) ; Stevanovic (80' Mardochée), Cognat, Morandi (60' Jallow) ; Ayé (30' Guillemenot)
FC Lugano : Saipi ; Zanotti, Papadopoulos, Mai, Marques (75' Brault-Guillard) ; Grgic ; Cimignani (88' Kelvin), Mahmoud (88' Dos Santos), Bislimi, Koutsias (75' Steffen) ; Behrens (63' Mahou)
Verwarnungen : 45'+1 Bronn, 79' Mahmoud, 90'+2 Bislimi, 90'+2 Mazikou
Bemerkungen : Servette ohne Antunes, Frick, Severin, Srdanovic, Varela, Zuka (Verletzt), Anselme, Atangana, Ondoua, Scandurra, Vincent (Nicht im Aufgebot), 54' Pfostenschuss von Fomba ; Lugano ohne Alioski, Bottani, von Ballmoos (Verletzt), Amirzade, Duville-Parsemain, El Wafi, Gamba, Maslarov, Ndiaye, Parente, Peverelli, Pseftis, Puddu, Raffa, Sbai (Nicht im Aufgebot)

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