Ein wilder Ritt! SFC vs. YB wird zum Torspektakel
Tag der offenen Tore im Stade de Genève
Was für ein Spiel war denn das?! Am letzten Sonntag schenkten sich Servette und die Young Boys nichts. Das Aufeinandertreffen verkommt zu einem Torspektakel. Auffällig beim SFC: Ein Ausrufezeichen von Jérémy Guillemenot, das Startelfdebüt von Malek Ishuayed sowie die ersten Minuten von Miguel Mardochée.
Im Escalade-Spezialtrikot erinnerten die Servettiens an die mutigen Genfer, die 1602 die Stadt vor den Savoyern verteidigt haben. Ebenso mutig musste man in die Partie gegen den Tabellenzweiten einsteigen. Die Young Boys scheinen einen Seoane-Effekt zu spüren und sammelten zuverlässig Punkte. Zuletzt gab es zwei Siege mit einem Torverhältnis von 9:1. Umso wichtiger wäre also ein frühes Führungstor des Heimteams gewesen. Umso gelegener kam deshalb ein Freistoss in der 12. Minute. Diesen trat Njoh auf den zweiten Pfosten. Dort kommt Stevanovic an die Kugel. Der Bosnier bringt den Ball zur Mitte. Douline verlängert zu Guillemenot und der verwandelt zum 1:0! Was für ein Start der Rhône-Städter!
Die Gäste brauchten gute zehn Minuten, um den Gegentreffer zu verdauen. Dann liessen sie ihre Klasse aufblitzen. Mit einem flüssigen Zusammenspiel tauchten sie am Gästesektor auf. Dort passt Bedia in den Rücken der Abwehr. Virginius legt zurück auf Fassnacht, der unaufhaltsam zum 1:1 trifft. Der Nati-Spieler feierte seinen zehnten Super-League-Treffer in dierser Saison.
Für gewöhnlich muss man als Servette-Anhänger besonders bibbern, wenn ein Tor gegen die Servettiens fällt. Oftmals fängt man sich gleich ein zweites Tor ein. Am Sonntag sah dies ganz anders aus. Denn die Gourvennec-Elf versuchte den Rückschlag sofort auszumerzen. Nach einer halben Stunde hämmert Douline einen Volley vom Strafraumrand über die Latte hinweg. Die Richtung war schon einmal nicht verkehrt. Und in der Tat, es dauerte nicht mehr lange, da lagen sich die Grenats wieder in den Armen. Fomba kommt im gegnerischen Sechzehner ins Ballbesitz. Die Verteidiger verhalten sich viel zu passiv. Fomba hat Zeit und Platz, um zu Ayé zu spielen. Der Stürmer hat freie Bahn und stochert das Leder irgendwie an Goalie Keller vorbei ins Netz. Mit dem 2:1 stellt der SFC den alten Vorsprung wieder her.
Mit der Führung im Rücken ging es in Richtung Pause. Dann erobert sich der auffällige Njoh einen Ball zurück. Der Linksverteidiger spielt hoch zu Stevanovic. Dieser hält den Kopf hin und zwingt Keller zu einer mirakulösen Rettungstat. Der Torhüter hält. Ayé geht auf den Abpraller und versucht diesen über die Linie zu drücken. Mit Wüthrich geht wieder ein Gelbschwarzer dazwischen. Aller guten Dinge sind drei! nun versuchte es auch Douline per Kopf. Und diesmal landet die Kugel im Tor! Richtig jubeln durfte der Franzose jedoch nicht. Schiedsrichter Fähndrich schaute sich die Szene am Monitor anschauen. Kleinlich taxiert er beim Stevanovic-Kopfball eine Abseitspositin von Douline. Dieser soll Keller die Sicht geraubt haben. Schaut man die Reaktion des YB-Torwarts an, dürfte er wohl kaum behindert worden sein. Bitter für Servette und nochmals bitterer, weil die Young Boys noch vor der Pause ausgleichen konnten. Und auch hier stand wieder ein Schiedsrichterentscheid im Mittelpunkt. An der Grundlinie geht Fassnacht in einen Zweikampf mit Bronn. Der Offensivspieler setzt seinen Körper ein und bringt den Tunesier zu Fall. Danach spielt er den Ball zu Sanches, welcher die Kugel mit technischer Finesse in der langen Ecke "versteckte". Die Hausherren kochten vor Wut. Insbesondere darum, weil Fähndrich diese Szene nicht mehr überprüfen wollte. Bei allen drei Servette-Toren liess er den VAR minutenlang prüfen, ob ein allfälliger Regelverstoss vorgelegen hätte. So blieb es aber beim "Tatsachenentscheid" des Referees. Statt 3:1 stand es zur Pause 2:2.
Der Start in Halbzeit zwei misslang den Genfern. YB marschierte, in der Person von Hadjam, nach 57 Minuten nach vorne. Der Aussenverteidiger schafft Raum für Sanches, den er dann auch anspielt. Der Youngster spediert den Ball wieder zur Mitte. Dort zögert Frick eine Sekunde zu lange. Mühelos nickt Ex-Servette-Stürmer Bedia zu, 2:3 ein. Und als wäre es nicht schon schlimm genug, rennt Virginius zwei Minuten später auf das SFC-Tor. Glück im Unglück - mit seinem Abschlussversuch trifft der Franzose bloss den Aussenpfosten. Die Frage stellte sich dennoch: Bricht jetzt alles auseinander? Nein! Denn Servette zeigt wieder Charakter. Keine fünf Minuten waren seit dem Gegentor gespielt, da trat Njoh einen Eckball auf den ersten Pfosten. Mit "Köpfchen" verlängert Fomba in den Rückraum. Dort hält uillemenot einfach mal drauf und wird für seinen Mut belohnt! 3:3!
Dieses Spiel machte Laune. Und es war noch lange nicht vorbei. In der 68. Minute folgte bereits das nächste Highlight. In der Platzmitte kommt Hadjam an den Ball. Der algerische Internationale startet ein Dribbling. Sieben (!) Servettiens lässt der 22-jährige stehen. Vor dem Tor zieht er eiskalt ab und bezwingt Frick zum 3:4. So schnell war der ausgeglichene Spielstand wieder weg.
Doch in dieser Partie schien alles möglich. Mittlerweile hat Gourvennec neue Kräfte ins Spiel gebracht. Und das Duo, bestehend aus Morandi und Mráz, machte auf sich aufmerksam. Morandi bedient seinen Teamkollegen mit einer butterweichen Flanke. Im Strafraum steigt Mráz am höchsten. Der Slowake kann das Leder per Kopf aufs Tor lenken, scheitert aber an der Querlatte! Was für ein Pech für die aufopferungsvoll kämpfenden Calvin-Städter.
Die Uhr tickte und es drohte eine weitere Niederlage. Nochmals warf Servette alles nach vorne. Auf der linken Aussenbahn wird Njoh geschickt. Ohne lange zu zögern bringt dieser den Ball zur Mitte. Dort kommt Mráz angesegelt. Wieder hält der Angreifer den Schädel hin - und diesemal sitzt der Kofpballversuch. Grosser Jubel im Stade de Genève. Die Gourvennec-Truppe sichert sich noch einen Punkt.
Sicherlich hat man am letzten Sonntag zu viele Gegentore kassiert. Dennoch hat die Mannschaft Wille gezeigt. Dies sah auch Didier Fischer. Der scheidende Präsident der Fondation 1890 applaudierte dem Team von der Tribune Nord aus zu. Er sah endlich eine starke Offensive. Er sah junge Spieler, die ihre ersten Schritte im Profigeschäft machten und er sah vor allem Kampfgeist. Hoffen wir, dass wir diesen auch am Samstag im Letzigrund sehen werden. Dann gastiert der SFC bei den Grasshoppers.
Servette FC – BSC Young Boys 4:4 (2:2)
Stade de Genève : 9'420 Zuschauer
Schiedsrichter : Lukas Fähndrich ; Nicolas Müller, Noël Lötscher
VAR : Nico Gianforte ; Hajrim Qovanaj
Tore : 12' Guillemenot (1:0), 26' Fassnacht (1:1), 33' Ayé (2:1), 45'+3 Sanches (2:2), 57' Bedia (2:3), 61' Guillemenot (3:3), 68' Hadjam (3:4), 84' Mráz (4:4)
Servette FC : Frick ; Mazikou, Rouiller, Bronn, Njoh ; Stevanovic (77' Mardochée), Douline, Fomba, Ishuayed (66' Morandi) ; Guillemenot (66' Mráz), Ayé (90'+4 Atangana)
BSC Young Boys : Keller ; Andrews (73' Janko), Wüthrich, Benito, Hadjam ; Raveloson, Gigovic (80' Lauper) ; Fassnacht, Sanches (73' Monteiro), Virginius (80' Pech) ; Bedia (80' Córdova)
Verwarnungen : 55' Ayé, 79' Bedia
Bemerkungen : Servette ohne Cognat (Gesperrt), Anselme, Antunes, Severin, Srdanovic, Varela (Verletzt), Aubert, Jallow, Scandurra, Vincent, Zuka (Nicht im Aufgebot), 43' Abseitstor von Douline, 71' Lattenkopfball von Mráz, SFC-Pflichtspieldebüt für Miguel Mardochée ; YB ohne Colley, Conte, Fernandes, Seiler (Verletzt), Dalipi, Kabeya, Lüthi, Mambwa, Marzino, Rufener, Thermoncy, Tschanz, Tsimba (Nicht im Aufgebot), 59' Pfostenschuss von Virginius