Der neue Sportchef ist bekannt! Wer ist der Neuankömmling?
Himmel oder Hölle - Wohin lotst uns John Williams?
Der Servette FC überrascht immer wieder, wenn es um personelle Entscheidungen geht. Am Donnerstag stellen die Grenats ihren neuen Sportchef vor. John Williams ist der neue starke Mann, den wahrscheinlich niemand auf dem Zettel hatte.
Ein unbeschriebenes Blatt im hiesigen Fussball, aber eine vieldiskutierte Personalie in Frankreich - so lässt sich Williams kurz und knapp beschreiben. Der Brite kommt mit einem reichen Erfahrungsschatz nach Genf. In den letzten elf Jahren bekleidete er dasselbe Amt beim Amiens SC in der französischen Ligue 2. Momentan wartet er auf seine Arbeitsbewilligung. Danach kann er offiziell loslegen. Doch was erwartet uns?
Wer ist John Williams?
Der 50-jährige wurde in Liverpool geboren und verbrachte die ersten Jahre seiner Kindheit auf der Insel. Nach dem Tod seines Vaters verliess Williams England und zog mit seiner französischen Mutter nach Bordeaux. Im Département Gironde wuchs er auf und behielt seine Zweisprachigkeit. Den Fussball mochte Williams schon immer. Der Liverpool FC und der FC Girondins de Bordeaux waren seine Lieblingsteams, als er ein Junge war. Früh träumte er von einer Karriere im Fussballgeschäft. Ihm schwebte ein Job als Trainer vor. Zu diesem reichte es nie - ins Geschäft gelangte er trotzdem. Als Spielerberater machte er sich einen Namen. Irgendwann überkam ihn ein Umdenken. Anstelle Spieler von Klub zu Klub zu lotsen, wollte er versuchen, einen Verein durch geschickte Transfers weiter zu bringen. Schliesslich landete er 2015 in Amiens, wo man ihm die Chance gab, als Sportchef zu arbeiten. Speziell war, dass er dies als Subunternehmer mit seiner Firma "Phoenix Sports Consulting" tat. Wie Williams gegenüber der Tribune de Genève klarstellt, wird dies in Genf anders aussehen. Beim SFC ist er direkt in einem Vollzeitpensum angestellt. Infolgedessen wird er auch beim krisengebeutelten Girondins Bordeaux etwas kürzer treten. Dort war er als ehrenamtlicher Funktionär ebenfalls engagiert. Er wollte dem Klub weiterhelfen, der mittlerweile in der vierthöchsten französischen Liga gelandet ist.
Professionellere Strukturen für den Servette FC
Für Williams ist Servette die erste Stelle im Ausland. Hier wolle er dazu beitragen, dass der Klub weiter wachsen kann. Der Sprung vom Nachwuchsbereich zu den Profis könne man noch optimieren. Auch im Bereich der Transfers und der Kaderplanung gäbe es Punkte, an denen man feilen könnte, gibt Williams in der Tribune de Genève Auskunft. Es gelte eine Basis zu schaffen, damit sich ein Trainer vollkommen auf die Betreuung der Spieler konzentrieren könne. Entsprechend werden auch organisatorische Massnahmen angekündigt. Zusammen mit dem neuen Sportchef soll ein Team aus vier bis fünf Personen seine Zelte in der Calvin-Stadt aufschlagen. Vom Datenanalyst bis zu Scouts werde an alles gedacht, um die Professionalisierung anzutreiben. Vielleicht war genau dies der Grund, weshalb die Wahl auf Williams gefallen ist. Gemäss seiner Aussage habe er sich gegen drei andere Kandidaten durchsetzen müssen.
Spannender Werdegang in Amiens
Dass der Neuankömmling das Zeug dazu hat, aus einem Aschenputtel eine Prinzessin zu machen, bewies er in den elf Jahren in Amiens. Zum Zeitpunkt seiner Ankunft spielten die "Einhörner" noch in der dritthöchsten Liga des Landes. Schon ein Jahr später folgte der Sprung in die Ligue 2. Als Aufsteiger sorgte man dann direkt für eine Sensation und schaffte den Durchmarsch in die Ligue 1! Im Oberhaus des französischen Fussballs, so hoch spielte Amiens in seiner Geschichte noch nie, konnte man sich für drei Jahre etablieren. Williams zauberte immer wieder spannende Spieler aus dem Hut. Serhou Guirassy, der heute für Borussia Dortmund auf Torjagd geht, war einer von ebendiesen Akteuren. Seit sechs Jahren wird im Stade de Licorne wieder "zweitklassiger" Fussball gezeigt. In der Ligue 2 gehört der Klub zu den festen Grössen.
Leider gibt es auch Kontroversen
Als ehemaliger Spielerberater stand Williams in Amiens oftmals in der Kritik. Zwar gelangen ihm immer wieder gewinnbringende Coups, doch die Mannschaft befand sich im ständigen Wandel. Auch die Tribune de Genève sprach den Engländer auf die Kritik an seiner Person an. Williams stellt jedoch klar, dass er in Genf ein langfristiges Projekt verfolge. In den Gesprächen mit Präsident Broch wurde dies immer wieder angesprochen. "Es ist nicht meine Mannschaft. Es ist die Mannschaft des Trainers. Es ist, als würde ich Jocelyn Gourvennec ein Auto zur Verfügung stellen. Der Mechaniker bleibt er selber."
Mit diesen Aussagen blickt Williams in die Zukunft. Auf die nähere Vergangenheit dürfte er hingegen nicht so gerne zurückschauen. Zusammen mit Präsident Bernard Joannin stand der Sportchef stark in der Kritik. Die Fans in Amiens waren enttäuscht, dass man sich, nach dem Abstieg aus der Ligue 1, in den Folgesaisons eher nach hinten orientieren musste. France Bleu berichtete 2023 von einer Plakataktion im Stadtzentrum von Amiens, in welcher der Rücktritt der beiden Funktionäre gefordert wurde. Die Ultras des Klubs störten sich am fehlenden Teamgefüge und den daraus resultierenden schwachen Ergebnissen.
Auch mit der Justiz hatte Williams schon zu tun. Im September 2025 sah er sich mit Vorwürfen zu Geldwäscherei und Steuerhinterziehung konfrontiert. Diese stammten aus der Zeit vor seinem Engagement in Amiens. Nichtsdestotrotz wurde aber auch seine ehrenamtliche Arbeit für den Traditionsverein aus Bordeaux kritisch beäugt. In der Tribune de Genève bekräftigt Williams, dass er in allen Punkten freigesprochen worden sei. "Ich bin nicht Marc Roger", fügte er an, als ihn die Lokalzeitung auf den schlechten Ruf von ehemaligen Spielerberatern beim SFC angesprochen hatte.
Es wird spannend sein, wie sich Williams in der Schweiz zurechtfinden wird. Der Mann hat zweifelsohne spannende Referenzen vorzuweisen. Leider bleibt der schale Beigeschmack, ob eine andere, konservativere Option wie Hiraç Yagan dem Verein nicht besser getan hätte. Mit Williams dürfte der Fokus bei Transfers weiterhin auf dem französischen Markt liegen. Die Frage bleibt bestehen: Was kitzelt er aus Servette raus?
Foto: servettefc.ch