Einen Punkt gewonnen oder zwei verloren?

17.04.2012 00:00:00 | maroons

Unentschieden nach turbulenter Schlussphase


Zum vierten Mal in dieser Saison hiess es „Hass-“ oder „Rhône-Derby“. Ein „must done“ für einen Servette-Fan! Zumal es ja wieder das letzte Spiel hätte sein können, was aber nicht anzunehmen ist.
So reisten wir, wie gewohnt, mit dem Zug in die Westschweiz und nahmen in Form von YB-, GC- und sogar Sion-Fans gleich noch ein Trio „Kulturreisender“ mit.
In Genf war das Wetter für einmal nicht besser als in der Deutschschweiz, so ging es ohne lange zu überlegen gleich ins Stadion.

Nach drei miserablen Leistungen in den letzten Spielen erwartete man von unseren Grenats endlich eine Reaktion. Und die, so war man doch überrascht, kam fulminant. Servette ging ganz stark in die Partie und fesselte die Walliser in ihrer eigenen Platzhälfte fest. Yartey prüfte Sion-Keeper Vanins bereits in der 2. Minute mit einem Versuch aus der Distanz. Gleich im nächsten Angriff kam der von Beginn weg eingesetzte Esteban zu einer guten Kopfballchance, ihm mangelte es aber an der Präzision.
Kurz darauf hätte der Führungstreffer dann sogar fallen müssen. Ein Sion-Verteidiger spitzelte Yartey an der Strafraumgrenze den Ball vom Fuss und lancierte mit diesem Rettungsversuch den völlig frei stehenden Esteban. Der Schweiz-Spanier fackelte nicht lange und zog sofort ab und traf den Pfosten. Von dort sprang das Leder zurück in die Füsse von Pont, der ebenfalls sofort abdrückte und den auf der Torlinie stehenden Karanovic abschoss, der mit seiner Abseitsposition den ganzen Angriff zu Nichte machte. Riesen Dusel für die Gäste aus Sion, welche erst nach einer Viertelstunde so langsam ins Spiel gefunden hatten. Moubandje vertändelte im Mittelfeld einen Ball und dann gings ganhz schnell. Wüthrich sprintete am rechten Flügel entlang, zog mit viel Tempo zur Mitte und schoss einfach mal munter aufs Tor. Gonzalez segelte durch den Strafraum, berührte den Ball noch, musste sich aber der Walliser Neuverpflichtung geschlagen geben. Es war das bislang unverdiente 0:1 für die Rotweissen. Servette versuchte sich vom Gegentreffer nicht beirren zu lassen. Nach 20 Minuten schickte Kouassi Karanovic in die Tiefe. Dieser liess am Sechzehnerrand zwei Gegenspieler ins Leere laufen und lupfte den Ball elegant zu Yartey, welcher den Angriff mit einem Kopfball in die Hände von Vanins abschloss.
Dann war die Luft draussen. Insbesondere dann, als Julian Esteban den Platz nach bloss 28 gespielten Minuten mit Adduktorenbeschwerden verlassen musste. Bitter für unsere Nummer 16. Er wird das Verletzungspech einfach nicht los. An Talent würde es ihm definitiv immer noch nicht mangeln. Er war bis zu seiner Auswechslung der beste Servettien.
Kurz vor der Pause ging noch einmal ein Raunen durch die Zuschauer, als Sions Danilo aus der Ferne ein Geschoss abfeuerte und den Servette-Kasten nur knapp verfehlt hatte.
Dann war Halbzeit. Die Führung der Sittener ging nicht in Ordnung und beim SFC musste noch einmal eine Steigerung kommen. Dafür besorgt war auch Kapitän Lionel Pizzinat, der sein 300. Pflichtspiel im Dress unserer Mannschaft absolvierte.
Schliesslich endete auch diese Halbzeitpause einmal und es ging weiter mit Fussball. Leider kam der SFC aber so aus der Pause, wie man vor einer Woche gegen Thun aufgehört hatte. Unsicher, fehleranfällig und offensiv harmlos. Sion hingegen verpasste es mit Danilo wenige Minuten nach dem Wiederanpfiff auf 0:2 zu erhöhen. Der Brasilianer versiebte schon im dritten Derby eine Chance nach der anderen. Wir waren ihm dankbar und fragten uns, ob die Spruchbänder im Gästesektor ihm gewidmet waren. Die Sittener entpuppten sich als grosse Fans Brasiliens und des Santos FC. Niemand wusste wieso.
Das Spiel war nur noch langweilig. Als Anhänger der Heimmannschaft musste man sich zudem mit dem mehr schlecht als recht pfeiffendenSchiedsrichter Wermelinger abgeben. Wer noch keine grauen Haare hatte, dem werden sie jetzt gewachsen sein, wenn man sie nicht schon wegen den katastrophal getretenen Servette-Standarts wieder ausgerissen hatte. Rüfli brachte nicht einen einzigen Ball ins Zentrum! Es war zum heulen! Zwei Schritte Anlauf und dann ein légères „Flänkkchen“, das meist nur hüfthoch am ersten Verteidiger hängen blieb.
Sion machte es da schon wesentlich besser. Margairaz prüfte Gonzalez mit einem sehr gut getretenen Freistoss in der 77. Minute.
Als nach 84 Minuten noch immer nichts Ernstzunehmendes von den Calvin-Städtern kam, hatte man sich schon so halb mit einer Niederlage abgefunden. Umso erfreulicher war es dann, als nach einer von Obradovic vergeben hundertprozentigen Chance, der für Esteban eingewechselte Soares im Gegenangriff mit einem „Verzweiflungsschuss“ die Hand des im Strafraum stehenden Dingsdag traf. Schiedsrichter Wermelinger zögerte zur grossen Überraschung keine Sekunde und zeigte sofort auf den Penaltypunkt. Yartey übernahm die Verantwortung und versenke die Kugel sicher zum 1:1 im Netz. 87 Minuten waren zu dem Zeitpunkt gespielt.
Für das Heimteam sollte es sogar noch besser kommen. Mit dem Ablauf der regulären Spielzeit flankte Rüfli für einmal „anständig“ in den Strafraum und erntete damit gleich die ersten Früchte. Routis legte das Leder mit dem Kopf auf Soares zurück und der erzielte durch den „Beinurwald“ hindurch das sensationelle 2:1! Das Stade de Genève kochte für einen Moment. Konnte man dem ungeliebten Gegner die dritte Derby-Niederlage zufügen? Nein, da spielte der Schiedsrichter nicht mit, denn in der Nachspielzeit gab es nochmals einen Freistoss für die Gäste. Servette-Coach Pereira wollte daher noch einmal wechseln. Er liess Jérôme Schneider zum vierten Offiziellen gehen, welcher auch schon die Tafel für die Auswechslung nach oben hielt. Goran Karanovic, der „Auszuwechselnde“ wollte sich schon in Richtung Bank orientieren, als plötzlich ein Pfiff ertönte und das Spie lwieder freigegeben wurde. Karanovic drehte sofort um und wollte den hoch in den Strafraum fliegenden Ball mit dem Kopf klären. Zu allem Unglück traf der die Kugel aber so ungünstig, dass der Schuss im wahrsten Sinne des Wortes nach hinten los ging und Karanovic den eigenen Goalie düpierte. Das 2:2 war zwar das gerechtere, aber keinesfalls das gewünschte Resultat gewesen.
Schliesslich wurde die Partie abgepfiffen und man musste sich mit einem Punkt zufrieden geben. Jetzt geht’s nächsten Samstag gegen Luzern immerhin wieder um einen Europa-League-Platz.


Servette FC – FC Sion 2:2 (0:1)

Stade de Genève : 8‘212 Zuschauer
Schiedsrichter : Daniel Wermelinger ; Raffael Zeder, Walter Brosi
Tore : 16‘ Wüthrich (0:1), 87‘ Yartey (Handspenalty) (1:1), 90‘ Soares (2:1), 90‘+3 Karanovic (Eigentor) (2:2)

Servette FC : Gonzalez ; Rüfli, Routis, Roderick, Moubandje (80’ Moutinho) ; Pizzinat, Kouassi ; Pont, Esteban (28‘ Soares), Yartey ; Karanovic (90‘+4 Schneider)

FC Sion : Vanins ; Vanczak, Adailton, Dingsdag, Bühler ; Rodrigo, Crettenand ; Obradovic, Margairaz (79’ Tréand), Wüthrich (75’ Sauthier) ; Danilo (56’ Serey Die)

Verwarnungen : 25‘ Pont, 45‘ Rüfli, 76‘ Routis, 87‘ Dingsdag

Bemerkungen : Servette ohne Baumann, De Azevedo, Diallo, Eudis, Saleiro (Verletzt), Gross, Monteiro (Nicht im Aufgebot), 5‘ Schuss von Esteban an den Pfosten ; Sion ohne Basha, Mrdja, Yoda (Verletzt), Berisha, Deana, Gonçalves, Ianu, Joaquim, Mbondi, Melo, Micic (Nicht im Aufgebot)

Hier gibt’s das Derby nochmals in der Zusammenfassung :
http://videoportal.ch.msn.com/video?id=d8e5e13f-6d3e-4d79-9f18-dfd09e24b00d

/peter