NZZ berichtet ├╝ber Servette

03.07.2013 00:00:00 | maroons

Die Deutschschweizer Presselandschaft nimmt den SFC wahr

Genfer Umtriebigkeit auf dem marché des transferts: (nzz.ch / 02.07.2013 13:52 Uhr)

 

Der Super-League-Absteiger Servette FC bastelt an der Zukunft. Um den direkten Wiederaufstieg aus der Challenge League zu schaffen, ist der Genfer Klub auf dem Spielermarkt besonders aktiv. Die Fäden zieht der Sohn eines berühmten Schweizer Trainers.

 

Noch geniesst Loïc Favre in der Schweizer Fussballszene den Status Sohn. Der Vater Lucien Favre ist einer der profiliertesten Trainer im Land. Und Loïcs Verbindungen zum Sport beschränkten sich in den vergangenen fünf Jahren auf die Tätigkeit als Manager; er arbeitete für die amerikanische Wasserman Media Group, die auf Athletenvertretung, Unternehmensberatung und Medien spezialisiert ist. Doch seit drei Wochen ist Favre Sportchef des Super-League-Absteigers Servette FC, wo der Vater Lucien 1985 als Spieler Meister wurde. Und 2001 als Trainer den Cup gewann und damit den Grundstein legte für eine Karriere, die ihn in die Deutsche Bundesliga führen sollte.

 

Jedenfalls wirbelt Loïc Favre, der nach der Jahrtausendwende Profifussballer werden wollte, Staub auf im Stadtteil Lancy, wo der Klub die Büros hat. Er muss das Kader gemeinsam mit dem Trainer Sébastien Fournier im grossen Stil neu sortieren und unter vielen anderen die Spieler Matias Vitkieviez (St. Gallen), Goran Karanovic (St. Gallen) und Lionel Pizzinat (Karrierenende)*1, Vincent Rüfli (Sitten), Steven Lang (GC) und Omar Kossoko ersetzen. Und Favre scheint Gefallen zu finden an der neuen Tätigkeit. Jedenfalls meldet der Servette FC, der im Sommer nach 123 Jahren erstmals aus sportlichen Gründen aus der höchsten Schweizer Spielklasse absteigen musste, regelmässig Mutationen.

 

Der erste Deutsche nach Rummenigge*2

 

Am Dienstagmorgen gaben die Grenats, die Granatroten, die Verpflichtung des Deutschen Verteidigers Niklas Dams für drei Jahre bekannt. Der letzte Deutsche, der für Servette Siegeswillen an den Tag gelegt hatte, war der ehemalige Weltstar Karl-Heinz Rummenigge, der Ende der Achtzigerjahre in Genf die Karriere ausklingen liess. Dass Dams nun für Servette spielt, ist kein Zufall. Er lernte in den vergangenen Jahren bei Lucien Favre in Gladbach, obschon er meist für die zweite Mannschaft spielte. Dams überzeugte in den Testtrainings den Trainer Fournier – und, freilich, den Sportchef Loïc Favre.

 

Bereits vor zwei Wochen engagierte Servette die Walliser Spieler Didier Crettenand und Anthony Sauthier, die den Trainer Fournier aus dessen Zeit im FC Sion kennen. Dazu kommt vom FC St. Gallen der Stürmer Igor Tadic, der sich in der Saison 2011/2011 mit vielen Goals für den SC Kriens für die Super League empfohlen hat, sich im FC St. Gallen aber nicht durchsetzen konnte. Weiter sollen der Serbe Nenad Marinkovic (Bnei Yehuda, Israel) und der Bosnier Neven Markovic (Kansas City, USA) Pfeiler in der Equipe werden. Markovic gab als Liebesbekundung sogleich das Versprechen ab, sofort in die Super League aufzusteigen.

 

Eine Herausforderung

 

Der Servette-Präsident Hugh Quennec, der auch den städtischen Eishockeyklub präsidiert, sagt zumindest, es gebe für den Verein nur ein Ziel: Den direkten Wiederaufstieg zu schaffen. Quennec kann das Super-League-Budget von rund 5 Millionen Franken auch in der Challenge-League halten. Er sucht jedoch weiterhin Sponsoren und Gönner, die bereit sind, in den Fussball zu investieren. Doch die Finanzindustrie der Weltstadt Genf hat kein Sensorium für den Spitzensport.

 

So will Quennec den Fussball zumindest beim breiten Publikum beliebter machen und ausländische Kommunen anlocken. Im Stil des US-Sports führt der Servette FC regelmässig Marketing-Aktionen durch. Eine weitere Aufgabe Quennecs ist es, die Vermarktungsrechte des chronisch schwach besetzten Stade de Genève abzugeben, die der ehemalige Investor Majid Pishyar von der Stadion-AG für 32 Jahre abgekauft hatte und rund 1 Million Franken pro Jahr kosten.

 

Die finanziellen Sorgen des Klubs schränken Loïc Favre in der Arbeit ein. Grosse Deals kann er nicht realisieren. Und die Meldungen über einen möglichen Transfer des ehemaligen Nationalspielers Xavier Margairaz sind nicht mehr als ein mauvaise blague, ein schlechter Witz. Dennoch ist Favre überzeugt, in der Challenge League eine dominierende Rolle spielen zu können. Die Anonymität, das geringe mediale Interesse und die langen Reisen sieht der Beau, der dem Vater aus dem Gesicht geschnitten ist, nicht als Mühsale, sondern als «grosse Herausforderung». / http://www.nzz.ch

 

 

Anmerkungen zum Artikel:
*1 Das Karriereende von Lionel Pizzinat ist noch nicht besiegelt. Zwar berichteten schon diverse Zeitungen davon, in Wirklichkeit haben aber weder der Spieler, noch der Verein zu diesem Gerücht Stellung genommen. (Stand 03.07.2013 / 00:15 Uhr)

 

*2 Niklas Dams ist nicht der erste Deutsche seit Karl-Heinz Rummenigge, der das Dress der Grenats trug. Bereits in den Neunzigerjahren ging mit dem späteren Nationalspieler Oliver Neuville ein Deutscher erfolgreich auf Torejagd für Servette. Nach dem Konkurs heuerte im Jahre 2009 Paul Grischok beim SFC an. Nach einem Jahr zog es ihn aber wieder davon.

Nur einige Tage bevor der Wechsel von Dams zum SFC als perfekt verkündet wurde, stieg mit Damien Hempler ebenfalls ein deutscher Staatsbürger, nach einer Ausleihe an Etoile Carouge, von den Amateuren in die 1. Mannschaft auf. Hempler besitzt aber ebenfalls den roten Pass und ist in Genf aufgewachsen.